Kommentar Aktivismus und Politik

Lobos Fall: Wiener Grüne wider einen Widerborstigen

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 08/15 vom 18.02.2015

Klaus Werner Lobo wird nicht mehr dem Wiener Gemeinderat angehören. Er wird auch nicht mehr grüner Kultursprecher sein. Er wurde auf dem Landeskongress ziemlich brutal abgewählt.

Das ist zunächst einmal eine kommunalpolitische Kurzmeldung - aber für die Grünen doch auch eine bedenkliche Entwicklung. Denn Klaus-Werner Lobo war der Paradefall eines widerborstigen, engagierten und umtriebigen Politikers, mehr noch, er war ein Aktivist, der sich einer Partei anschloss und sie befruchtete.

Er schrieb einen internationalen Weltbestseller ("Schwarzbuch Markenfirmen"), er engagierte sich für Flüchtlinge und er pflügte ziemlich energisch in der Wiener Kulturpoltik herum, der er stets vorwarf, die Falschen zu stark zu fördern. Sein Bestreben, mehr "People of Colour" in den Institutionen des Kulturbetriebs sehen zu wollen, wurde im Wiener Feuilleton zwar gerne als politisch-korrekte Marotte abgetan, sicherte ihm aber die Aufmerksamkeit deutscher Medien.

Lobo müsste also der Wunschkandidat einer linksorientierten und ökologischen Bewegung sein, die gerade keine Funktionärspartei sein will, sondern kratzbürstige Leute von außen anziehen will.

Doch genau das ist auch bei den Grünen immer weniger der Fall. Die neue Wiener Landesliste zeigt, dass - von einigen Ausnahmen abgesehen - nicht jene Persönlichkeiten präferiert wurden, die als Citoyens ein eigenes Projekt auf die Beine stellten (neben Lobo etwa der Menschenrechtsanwalt Georg Bürstmayr), sondern jene Parteiangestellten, die die richtigen Netzwerke aktivieren konnten. Ist das schlimm? Es ist der hohe Preis einer Basisdemokratie, die die Partei langfristig langweiliger machen wird.


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