Menschengemacht

Die Werbung ist schon einmal gut. Aber was kann das Faire-Mode-Label Armed Angels?

Stadtleben | Stilkritik: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 08/15 vom 18.02.2015

Vergangene Woche erwähnte der Falter im Medienressort die Minikampagne des Kölner Online-Versandhauses "Armed Angels", das sich auf fair und nachhaltig produzierte Mode spezialisiert hat. Auf einem für die Berliner Fashion Week hergestellten Plakat ist eine im Stil von H&M-Kampagnen fotografierte, bejeante junge Dame zu sehen. Daneben ein durchgestrichener Billigpreis und der höhere Preis darunter. "Made by Humans", so der Claim, der die Konsumentin davon überzeugen soll, zu überlegen, was Kleidung wert ist.

Angefangen hat bei den Armed Angels alles an einem WG-Tisch - wenn man der Gründungsgeschichte glaubt. Zwei Studenten wollten "das fairste Modelabel der Welt" schaffen, ohne Ausbeutung, Kinderarbeit, Umweltverseuchung und soziale Ungleichheit. Dafür mit fairen Löhnen, umweltschonend und transparent.

Ladengeschäfte gibt es keine, aber wenn man in den Webshop von Armed Angels geht, findet man eine Menge Basics-Sachen für Frauen und Männer. Modisch lehnt man sich bei den Hosen, Shirts, Jacken oder Kleidern nicht so wahnsinnig weit aus dem Designerfenster. Mehr Normecore als Fashionweek: brave Sweater, bedruckte T-Shirts, gedeckte Farben.

Zu jedem Teil gibt es Informationen: Aus welchem Material ist es, wo wurde es produziert? Natürlich geben die Labelmacher auch an, welche Zertifizierungen - etwa für Bio-Baumwolle, Schafwolle und andere Ausgangsmaterialien - es gibt. Und das ist schon viel mehr, als vergleichbare Modelabels leisten. Womit wir beim Preis wären. T-Shirts kosten um die 30 Euro, Jeans gibt es ab 100 Euro. Vieles bewegt sich in der Preisspanne ähnlicher, nicht dezidiert fair produzierender Labels. Das macht stutzig: Wieso ist fair und bio nicht längst Standard?


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