Durch die Türe und in die Wand

In Wien stehen neun Kletterhallen. Zeichen des stillen Booms einer Sportart, die perfekt den Zeitgeist verkörpert


Bericht: Johann Skocek
Stadtleben | aus FALTER 08/15 vom 18.02.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Aufstieg geht am besten zu zweit. Helfen, sichern, aufmuntern, beraten: Es ist gut, wenn ein Partner zur Hand ist. Er klettert in die Höhe, Schritt für Schritt, Griff für Griff, der Blick nach oben. Sie steht am Fuß der Wand, die Beine fest am Boden, das Sicherungsseil läuft durch den Sitz-Brust-Gurt. Wenn er ruft, nimmt sie ihn „auf Zug“, er lehnt sich oben zurück, schüttelt die Arme aus und entspannt sich für die Anstrengung der nächsten Moves.

Man könnte in dieses Paar eine Allegorie sozialer Abläufe hineinfantasieren – der Mann strebt nach oben, die Frau bleibt unten. Doch so geht es in der Kletterhalle Wien nicht zu. Klettern ist gendermäßig total korrekt. An diesem Donnerstag zu Mittag streben rund 20 Kletterer die unterschiedlich geneigten und schwierigen Wände hoch, eine Frau übt Quergänge, zwei noch nicht so Geübte versuchen sich an der Schrägwand. Andere dehnen, chillen, schauen den anderen zu, krebsen in Missachtung der Schwerkraft in zehn, zwölf Meter Höhe herum.

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