Die Devise lautet: Dranbleiben!

Mit "subversiv. Raum für Alternativen" führt das GrazMuseum das Thema "Offene Stadt" weiter

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 08/15 vom 18.02.2015

Subtile oder deutliche Irritationen und Konfrontationen in der Kunst öffnen neue Zwischenräume im zunehmend reglementierten, kontrollierten und kommerzialisierten Raum der Stadt." Mit dieser Feststellung definieren die Macher der Ausstellung subversiv. Raum für Alternativen" das Szenario. Entworfen wird dieses auf einem schon bestehenden Fundament: "Graz -Offene Stadt" ist eine Ausstellung, die das GrazMuseum bereits Ende des vorigen Jahres eröffnet hat (Falter 41/14). Sie legt auf grundsätzliche Weise dar, wie eine gastfreundliche Stadt, die Platz für Vielfalt hat, aussehen könnte. Wie Menschenrechte gewahrt oder Bürgerpartizipation ermöglicht werden können. Aber auch, dass die Schlagwörter Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung im gesellschaftlichen Diskurs eine immer stärkere Rolle spielen.

"subversiv. Raum für Alternativen" geht nun eine Schritt weiter und setzt ihn durch die Hintertür. Wie gehen Künstler vor, um sich im heiß umkämpften Stadtraum die nötigen Freiräume zu schaffen, haben sich die beiden Kuratoren Astrid Kury ( Akademie Graz) und Martin Behr (Journalist und Künstler, G.R.A.M.) gefragt. Und sich darauf Antworten geben lassen. Etwa von Tanja Fuchs, Sonja Gangl, Marlene Hausegger, Katrin Hornek, IEFS Kiesling & Stolberg, Robert Jelinek, Andreas Leikauf, MeerSau, Oliver Ressler, Josef Schützhöfer, Deborah Sengl, Gustav Troger oder Peter Weibel. Ein ahnsehnlicher Aufmarsch nicht nur von etablierten, sondern auch von noch unbekannteren Künstlerinnen und Künstlern.

Ein Beispiel zur Illustration, weil Katzen immer gut gehen: Der Wiener Künstler Ovidiu Anton etwa hat Straßenkatzen von Istanbul filmisch porträtiert - sie gelten ihm als "liebenswerte Vorbilder einer entschleunigten Lebensführung, die stellvertretend über urbane Nischennutzung und Gentrifizierungsfolgen erzählen". Ja, die liegen nicht nur faul herum. Der Grazer Erwin Polanc hingegen hat sich die Zweibeiner der Grazer Wachdienste vorgenommen und zeigt "in neutraler wie subtiler Weise Momentaufnahmen aus dem Bereich von Ordnung, Disziplin und Überwachung".

Das alles und noch viel mehr kann man sich im zur Ausstellung erscheinenden Reader "Offene Stadt. Konzepte für urbane Zwischenräume" nochmals zu Gemüte führen. Man erfährt aber nicht nur Näheres zur ausgestellten Kunst, sondern auch Grundsätzliches zur Idee der Offenen Stadt. Und darauf aufbauend, was das konkret für Graz bedeutet. Denn das Thema wird die kommenden Jahre virulent bleiben. Da heißt es dranbleiben und eine vernünftige Streitkultur entwickeln.

GrazMuseum, Mi 18.00 (Eröffnung)


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