"Die haben sich in mich verschaut"

Die Staatsanwaltschaft wollte mutmaßliche sexuelle Übergriffe eines Wärters kleinreden. Opfer und Richter spielen aber nicht mit

Politik | Prozessbericht: Florian Klenk | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015

Die Justizwachebeamten sitzen ihr in diesem kleinen Gerichtssaal 307 buchstäblich im Nacken. Es sind die Kollegen des Angeklagten, sie küssten ihn am Gang auf die Wangen und leisten ihm offenbar seelische Unterstützung; Sandra M. lässt sich von den Männern nicht einschüchtern. Nicht noch einmal.

Sie will reden. Unter Wahrheitspflicht. Sie hat die Tat zwar schon zweimal zu Protokoll gegeben. Aber jetzt soll die Öffentlichkeit hören, wie es zugeht im Frauentrakt der Justizanstalt Josefstadt.

Sie wird minutiös schildern, wie sie ein Justizwachebeamter damals missbraucht und eingeschüchtert und wie er sie mit Vergünstigungen "gefügig" gemacht haben soll. Wie er das Putzkammerl, in dem es geschah, von innen abgesperrt hatte, wie er "psychische und physische Gewalt" ausübte. Wie sicher er sich im größten Wiener Gefängnis fühlen konnte, dieser Inspektor, den sie "Elvis" nannten.

"Warum sind sie nicht davongelaufen?", fragt die Staatsanwältin einmal. "Im Gefängnis wäre ich nicht


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