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Lustige Literatur aus Deutschland

Feuilleton | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015

Die diversen deutschen Popromane der vergangenen Jahre, in denen Jungsbanden auf Tour gehen, sich viel zu ernst nehmen und ständig angestrengt darüber nachdenken, was Bob Dylan in ihrer Situation gemacht oder gesagt hätte, gehören zum Lahmsten, was in letzter Zeit zwischen zwei Buchdeckel gedruckt wurde.

Marc Degens, Jahrgang 1971, ist kein Musikjournalist mit literarischen Ambitionen, sondern ein höchst pfiffiger Autor. In "Fuckin Sushi" schreibt er über eine gerade erst gegründete Schülerband aus Bonn, die durch ein Youtube-Video ihres Songs "Promi Shopping Queen" über Nacht bekannt wird. Der Trick besteht darin, dass einer seiner richtig jungen Helden selbst erzählen darf. Das bringt einen naiven, staunenden Blick auf die Welt mit sich und erinnert im Ton manchmal an Wolfgang Herrndorfs "Tschick". "Fuckin Sushi" erreicht zwar nie dessen Strahlkraft, ist aber ein kurzweiliger Entwicklungsroman. SF

Wenn man professionell liest, bringt man manche Bücher nur zu Ende, weil man muss. Der Humor von Frank Schulz, Jahrgang 1957, der für den Roman "Onno Viets und der Irre vom Kiez" (2012) viel Lob einheimste, muss nicht zu jeder Stimmungs- und Lebenslage passen. Seine Mittfünfziger, die auf eine fulminante Saufkarriere und ein erbärmliches Liebesleben zurückblicken, können im zweiten Viets-Roman "Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen" denn auch ganz schön auf die Nerven gehen.

Sogar, wenn sie sich auf eine Kreuzfahrt begeben, die naturgemäß reichlich Satirepotenzial aufweist, das Schulz auch weidlich ausschlachtet. Doch erst auf den letzten 20 Seiten erfährt man, dass dieser Autor nicht nur blödeln und kalauern, sondern auch glaubwürdig über die Liebe schreiben kann. Das überrascht nicht nur, sondern macht auch Lust auf mehr. Also: Bitte noch einmal von vorne, und zwar im Ernst. KB


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