Tiere

Alter Schwede

Falters Zoo | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015


,Weshalb heißt das Bett nicht Bild‘, dachte der Mann und lächelte, dann lachte er, lachte, bis die Nachbarn an die Wand klopften und ,Ruhe‘ riefen. ,Jetzt ändert es sich‘, rief er und sagte von nun an zum Bett ,Bild‘.“ So erzählt der Schweizer Autor Peter Bichsel seine wunderbare Geschichte über einen Mann, der die Namen aller Dinge ändert und sich auf diese Weise in seiner kleinen Sprachinselwelt einsperrt.

Die Schwedische Ornithologische Gesellschaft haderte auch seit einigen Jahren mit dem Umstand, dass es nicht für alle 10.709 bekannten Vogelarten dieser Welt auch einen schwedischen Namen gibt. In einem herkulischen Unterfangen wurden die wissenschaftlichen Bezeichnungen gesichtet und etwa 4000 neue schwedische Namen für Vögel vergeben. Das hätte vermutlich nur eine sehr kleine Gruppe von Vogelfreunden interessiert, wenn man dabei nicht auf zehn „rassistische“ Vogelnamen gestoßen wäre. Die Süddeutsche Zeitung formulierte es der Dramatik entsprechend: „Schwedens Ornithologen tragen an einem schweren sprachlichen Erbe.“ Der Negerfink, der Kaffernsegler und der Zigeunervogel wurden als politisch unkorrekt eingestuft und sollen fortan nur noch Negrita, Weißbeckensegler und Hoaczi genannt werden.

Um es mit den Worten des deutschen Polit-Aktivisten Fritz Teufel zu kommentieren: „Na ja, wenn’s der Wahrheitsfindung dient“. In der Biologie werden alle Lebewesen mit einem zweiteiligen, aus lateinisch-griechischen Wort-
elementen zusammengesetzten Namen kategorisiert. In den jeweiligen Landessprachen gibt es dann oft mehrere, regional spezifische Bezeichnungen. Die Finkenart Loxia curvirostra nennt man in Schweden Zigenarfågeln (Zigeunervogel), in Österreich Fichtenkreuzschnabel und in England Red Crossbill. In Nordeuropa kommt diese Vogelart kaum vor. Der Negerfink (Nigrita bicolor, engl.: Chestnut-breasted nigrita) lebt überhaupt nur im tropischen Regenwaldgürtel Westafrikas, was die Chancen, dass Leute laut „Hey, da fliegt ein Negerfink!“ schreiend durch schwedische Wälder laufen und unter Elchen für Empörung sorgen, sehr gering hält.

Nein, darüber soll man nicht läppisch witzeln, das Anliegen ist verständlich und ehrenhaft. Aber es gibt noch viel zu tun: der Eskimo-Brachvogel, die Mohrenlerche und der Kaffernbüffel brauchen dann auch neue Namen. An meinem hingegen ist alles korrekt, meint Ihr Peter Iwaniewicz.


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