Mediaforschung Verführungskolumne

Warum uns die Zitrusfrucht das Geld aus der Tasche zieht

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015

Waschmittelreklame und Werbung für Badreiniger gelten in der Branche ja eher als nicht so geil. Dass sie uns dennoch mit gefinkelten Tricks dazu bringen, an der Kassa mehr Geld als nötig hinzublättern, sieht man etwa an der Verwendung der Zitrone. Die kommt ja fast überall vor. In den Reinigungstüchern von Meister Proper. Auf dem knallgelben Küchen-und Badreiniger von Frosch ("kalklösend mit Zitrone"). Und schließlich auf der WC-Ente, die verspricht, die Klomuschel mit Citrus-Gel sauberzuhalten.

Was steckt nun hinter diesem biologischen Wundermittel? Warum prangt das Bild von Zitronen - appetitlich geteilt oder geviertelt - auf so vielen Verpackungen im Reinigungsregal? Aus kulturellen Gründen. So beschreibt es Diplompsychologe HansGeorg Häusel, der sich auf Marketing spezialisiert hat und das Buch "Kauf mich! Wie wir zum Kaufen verführt werden" herausgebracht hat.

"In Deutschland, Österreich und der Schweiz verbinden wir Zitrusduft mit Frische und Sauberkeit", schreibt Häusel, "dieser Zitrusduft ist nur Zusatz und trägt nichts zur Reinigung bei." Was man als sauber wahrnimmt, ist von Region zu Region unterschiedlich. "Wollte man den gleichen Haushaltsreiniger in Russland verkaufen, müsste man Fliederduft beimischen, um die Reinigungskraft zu unterstreichen." Hart trifft's die Spanier. Die glauben, das Bad sei erst sauber, wenn es nach Chlor riecht.

Na, wenn schon ein duftender Placebo-Reinigungszusatz, dann doch lieber Zitrone.


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