Klingt wie Tee, ist Kaffee

Der Yppenplatz hat jetzt also auch eine Art Café. Und das ist nicht nur Kulisse

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Was kann der Yppenplatz/Yppenmarkt besser als – sagen wir einmal – der Naschmarkt? Es gibt erstens kaum Autoverkehr, dafür aber einen echten Platz; der Markt macht nicht den Eindruck zu sterben, ist nicht ausschließlich Kulisse, sondern lebendige Kulisse; das Publikum ist multikulturell, jung, urban, jede Menge Karenz-Väter, kaum Touristen, das schafft eine gewisse Identität; und das Spektrum der hier auch nicht gerade schwach vertretenen Gastronomie ist halt irgendwie lässiger.

Erstens verdrängen die Lokale hier die Marktstände kaum, sondern „säumen“ sie eher, und zweitens macht hier nicht jeder das, was sein Nachbar auch macht, sondern eher das Gegenteil davon. Was zu großartigen Lokalen wie dem Wetter, einem der besten Italiener der Stadt, der Kiang Winebar (zumindest noch ein paar Wochen), dem stimmungsvollen La Salvia, dem coolen Truksitz und den beiden An-Dos führt (die demnächst eröffnende Brauwerk-Sache klingt zwar ein wenig hypertroph, aber mal sehen) – eines ergänzt das andere.

Das neueste Yppen-Lokal heißt Cay, was kurz für „Café am Yppenplatz“ steht und was man nicht so ausspricht wie den indischen Tee, sondern eher so wie den von Tommy Lee Jones gespielten Agenten in „Men in Black“, wenn ich richtig verstanden habe.

Bis zum vergangenen Jahr fanden im Cay diverse vegetarische indische Lokale statt, die eh lieb waren, aber halt – nicht nur optisch – grenzenlos langweilig. Das änderten Daniela Condric und Ivica Matisic gründlich, indem sie aus dem faden Inder ein wirklich ansprechendes Café mit ein bisschen Bambus-Holz, alten 60er-Jahre-Sesseln mit bunten Sitzbezügen, ein bisschen Industrielampen, ein bisschen Blumen und ein bisschen Wandmalerei im Sixties-Stil machten, sehr angenehm. Vor allem punktet
das Cay aber natürlich mit seinem riesigen Fassadenfenster auf den Yppenplatz, und dass man sich als Hintergrundmusik für einen Jazzsender aus dem Internet entschieden hat, war vielleicht auch nicht die schlechteste Idee.

Die Küche ist eher minimal ausgelegt, es gibt die unvermeidlichen Frühstücke, zwei Suppen und zwei Pasta-Gerichte. Die Gemüsesuppe war so gut, wie man sie nur selten erlebt – die Karotten weich, Sellerie und Karfiol mit gutem Biss, nicht zu Brei gekocht, Auberginen in dezentem Maß, viele Kräuter, sehr angenehme Suppe (€ 3,50). Den interessanterweise nicht als vegetarisch gekennzeichneten Cannelloni fehlte diese Harmonie leider ein bisschen, die Champignon-Fülle hätte etwas mehr Pfiff vertragen, überhaupt erinnerten sie mit der Béchamel eher an eine Lasagne, die es an diesem Tag nämlich auch gab, also wahrscheinlich eine schlichte Verwechslung (€ 8,90). Soll sein, der Kaffee ist von Accademia del Caffè, der ist recht gut. Und das ist insgesamt dann schon einmal ein ganz vernünftiges Paket.

Resümee:

Ein kleines Lokal, das hübsch aussieht, in dem man guten Espresso bekommt und ein bisschen etwas essen kann. Sollte hier jedenfalls reichen.

Cay
16., Payerg. 14/3
Tel. 0650/633 90 74
Di–So 9–23 Uhr


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