Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Zeitnah

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015

Was war der Falter an den Themen der Zeit dran (ist er das nicht immer?)! Aber Februar 1995, schauen Sie selbst: Die Covergeschichte befasste sich mit dem Kopftuchgebot der Islamischen Glaubensgemeinschaft, das deren Präsident Ahmad Abdelrahimsai für den Religionsunterricht gefordert hatte. Jede Religionslehrerin, erklärte er Bernhard Odehnal, müsse das Kopftuch akzeptieren, denn das sei "die Offenbarung Gottes". Und wenn sie das nicht wolle? "Dann soll sie als Model zu Lagerfeld oder Armani gehen ..." Abdelrahimsai war bekannt für seine strengen Auftritte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, aber damals lief so etwas unter harmloser Exotismus. Auf die Abschlussfrage Odehnals: "Sind Sie Fundamentalist?", antwortet Abdelrahimsai launig: "Möge mich Allah zu den Fundamentalisten zählen. Denn wenn ich das Fundament der Religion beiseitelasse, was bleibt dann?"

Modernität, die Zweite: Markus Wailand porträtierte die Gruppe "Science Wonder Productions", die mit einer interaktiven CD-ROM über aus Wien vertriebene Architekten auf sich aufmerksam machte. Von Data-Hippies war da die Rede, von Touchscreen, 10.000 Verzweigungen und davon, dass die CD-ROM trotzdem "so einfach zu handhaben sei wie ein Cassettenrecorder".

Modernität, die Dritte: Der Falter stellte Thomas Rottenberg ein. "Rottenberg ist ein klassischer Workaholic: Neben seinem Falter-Partyservice, in dem er seit zwei Jahren über Events berichtet, die vornehmlich zwischen 24 Uhr und sechs Uhr früh stattfinden, verfasst er Berichte für andere Printmedien und fürs Fernsehen."

Zeitloses: Profil-Herausgeber Hubertus Czernin berichtete in der Rubrik "Meine Kleine Welt" aus seinem Wiedener Wohnbezirk. Und Robert Menasse steuerte zu einer Geschichte übers Kaffeehaus folgende Anekdote bei: "Mein Großvater hat als Arabia-Vertreter am Tag drei oder vier Kaffeehäuser besucht, einen kleinen Braunen bestellt und Zeitung gelesen. Dann ging er nach Hause und hat zu seiner Frau gesagt: Dolli, das war ein anstrengender Tag, komm, wir geh'n ins Kaffeehaus ..."


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