Der durchgeknallte Tierliebhaber

Wenn Kinky Friedman diese Woche nach Graz kommt, hat die politische Korrektheit einen Ruhetag

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015

Der Musiker Willi Resetarits hat dem Falter einmal erzählt, sein Lieblingspolitiker sei Kinky Friedman. Das war 2006, damals trat Friedman gerade bei den Gouverneurswahlen in Texas an und konnte mit fast 13 Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg erringen. Und dann fügte Resetarits noch hinzu: "Ich hab ihn 1980 in einem Club in Manhattan kennengelernt. Damals war er ungefähr auf einem Viertelkilo Kokain pro Tag."

Richard S. Friedman, wie der heute 70-Jährige mit bürgerlichem Namen heißt, hatte Zeiten in seinem Leben, da ging er nicht besonders sorgsam mit sich um. Heute, so scheint es, kommt er mit Zigarre und Tequilla über die Runden. Zigarre, Tequilla und die Südstaaten-Panier - man könnte versucht sein, Friedman auch für einen reaktionären Country-Wastel zu halten. Ist er aber nicht, er ist ein liberaler Querdenker. Einer, der von politischer Korrektheit nichts hält.

Seine Karriere startete Friedman Anfang der 70er-Jahre mit seiner Countryband The Texas Jewboys. Mit seinen jüdischen Wurzeln hat er immer gerne kokettiert, einer seiner bekannteren Songs heißt "They Ain't Making Jews Like Jesus Anymore". Prinzipiell könnte man sagen: Ihm ist nicht allzu viel heilig. Das brachte ihm in der Vergangenheit nicht nur Sexismus-, sondern auch Rassismusvorwürfe ein. Tatsächlich darf man für seinen sarkastischen Anarcho-Humor nicht allzu sensibel sein - ihm sitzt der Schalk im Nacken, er provoziert recht kompromisslos. Das allerdings mit guten Haltungsnoten: Als er zur Gouverneurswahl antrat, setzte er sich etwa für die Homo-Ehe ein. Das muss man sich in Texas auch erst einmal trauen. Dass seinen Spott manche in den falschen Hals bekommen, sollte man ihm nachsehen: "Ich will Bigotterie und Rassismus einen Spiegel vorhalten", sagte er einmal in einem Interview.

Wenn Friedman nun diese Woche im Volkshaus auftritt, dann wird er den zotigen Alleinunterhalter geben, seine Songs von früher spielen, aber auch Lieder von Country-Legenden covern - vielleicht ja auch jene von seinem Freund Willie Nelson. Er wird launige Anekdoten erzählen und seine "schrägsten Texte" vortragen - seit Mitte der 80er-Jahre schreibt er nämlich autobiografisch gefärbte Kriminalromane, in denen des Öfteren eine Katze eine Rolle spielt. Friedman ist auch ein großer Tierliebhaber.

"Kinky" steht für durchgeknallt, überdreht. Wenn man das Gesamtkunstwerk Friedman betrachtet, wird klar, dass man auch derart wunderbar Gesellschaftskritik üben kann. Der Grazer Singer/Songwriter Christian Masser wird auf Friedman einstimmen.

Volkshaus, Graz, Di, 20.00


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