Zwischen Blut und Boden: die Geschichte des Fremdenrechts

Ein Sammelband über die Zugehörigkeitsrechte Fremder von der Antike bis zur Gegenwart - mit überraschenden Befunden

Politik | Rezension: Norbert Mappes-Niediek | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015

Zu den wenigen Rechtsbegriffen, die es aus der juristischen Fachsprache bis in die Feuilletons geschafft haben, gehören das "ius sanguinis", das Recht des Blutes, und das "ius soli", das Recht des Bodens. Die lateinischen Vokabeln wurden zu zwei Schlagworten, mit denen heute die Befürworter und die Gegner einer liberalen Einwanderungspolitik einander bekämpfen. Das "ius sanguinis" gilt dabei als das deutsche Prinzip: Die Nation ist eine Abstammungsgemeinschaft, und wer fremden Blutes ist, hat auf deutschem Boden nichts verloren. Das "ius soli", liest man, sei das französische, moderne, liberale: Zur Gemeinschaft der Staatsbürger hat jeder Zutritt, der hier lebt.

Aber so stimmt das gar nicht, wenigstens historisch nicht, wie zwei Autorinnen dieses informativen Sammelbandes darlegen. Zwar erklärte die revolutionäre Verfassung von 1793 tatsächlich alle Bewohner Frankreichs zu gleichberechtigten Citoyens, sofern sie männlich, erwachsen und nicht arm waren. Aber schon die Direktoriumsverfassung


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