Die Kunst des Weder-noch

Der Architekt Adolf Krischanitz sorgte für viel Aufregung. Dabei ist er einer der im besten Sinne unspektakulärsten Architekten des Landes

Feuilleton | Würdigung: Maik Novotny | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015

Die Wiener waren entrüstet: Eine fensterlose gelbe Blechkiste mit einer durchgesteckten blauen Stahlröhre, direkt auf dem Karlsplatz. Die Kunsthalle, 1992 als Provisorium gegenüber der Secession errichtet, erhitzte die Gemüter, der Boulevard schäumte. Das "Ding" verstelle den Blick auf die Karlskirche, heulten manche. Worauf der honorige Architekturkritiker Friedrich Achleitner trocken entgegnete, jedes Gebäude in Wien verstelle den Blick auf die Karlskirche, wenn man davorstünde.

Das freche bunte Provisorium am Karlsplatz hielt länger als geplant. Erst nach zehn Jahren wurde die Schachtel demontiert, nach überstandenen Kontroversen war sie zum durchschlagenden Erfolg geworden. Provokante Kunst, mitten im öffentlichen Raum platziert, hürdenfrei zugänglich. 2001 bezog die Kunsthalle schließlich ihr neues Quartier im MQ -ein Backsteinriegel mit dem Look einer norddeutschen Kleinstadtbibliothek, versteckt im Hinterhof eines Innenhofs, hinter die Winterreithalle gequetscht, der


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige