Fragen Sie Frau Andrea

Und immer wieder "Immer wieder"

Kolumnen | Andrea Maria Dusl | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015

Liebe Frau Andrea,

so oft ein sportliches Großereignis mit österreichischer Beteiligung ansteht, hört man von den Zuschauerrängen die Gesänge "Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich". Da Siege österreichischer Sportler außer im Winter nicht so zahlreich sind, ist die Anmaßung "immer wieder, immer wieder" etwas seltsam. Woher stammt dieser Gesang?

Mit freundlichen Grüßen,

Stefan Schauer, per E-Mail

Lieber Stefan,

jenseits der Diskussion über eine töchterreiche oder gabalierende Textauslegung der österreichischen Bundeshymne gibt es Einvernehmen darüber, dass die Nation zwischen Bodensee und Langer Lacke genau drei Lieder fehlerfrei intonieren kann. Nummer eins ist die textfreie Geheimhymne "An der schönen blauen Donau", komponiert im Winter 1866/67 von Johann Strauss Sohn. Dicht folgt der weltberühmten Silvester-Marseillaise das sentimentale Rührstück "I Am from Austria", 1989 von Nationalblondl Rainhard Fendrich in die Welt gesetzt.

Der uns hier und heute interessierende Imma-Wie-Da-Ö-Sta-Rech-Hymnus hält indes Rätsel bereit. So einfach und massentauglich Melodie und Text des Schlachtgesangs erscheinen, so schwer sind seine Autoren zu fassen. Der Fußballschlachtruf muss zumindest knapp vor 1978 entstanden sein, taucht er doch auf dem WM-Sampler "Immer wieder Österreich" auf, der in prophetischer Weise vor dem Nationalereignis Cordoba mit dem Stadionchor eingesungen und auf Platte gepresst wurde.

Als Autoren firmieren der ORF-Big-Band-Leader Richard Oesterreicher und ein Emanuel Morel. Reizvoll erscheint allerdings eine andere Theorie zur Urheberschaft des Stadionliedes. Demnach stammt der patriotische Kickermarsch von der Wolfgang-Lindner-Band, arrangiert und komponiert vom Duo Wolfgang Lind und Peter Ciri. Hinter den Pseudonymen verbergen sich "Musikantenstadl"-Bandleader Wolfgang Lindner und der Kapellmeister und Tanzorchestermusiker Dipl.-Ing. Peter Hrncirik.

Eine Lösung der Frage muss heute offen bleiben. Für Oesterreicher spricht das gewaltige Œuvre, für Lind und Ciri ein anderer Hit von österreichischer Weltgeltung: ihr 1971 so eingängig wie simpel komponiertes "Ja, mir san' mit'n Radl da".

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft


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