Ein einfacher Plan

Die Stadt will auf der Copa Cagrana bauen, doch es fehlt an einem Gesamtkonzept. Und der Generalpächter denkt nicht daran, den Platz zu räumen

Stadtleben | Bestandsaufnahme: Birgit Wittstock | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015


Rendering: Gerner + Gerner

Rendering: Gerner + Gerner

Gut Ding braucht Weile, heißt es. Manchmal lässt das gewünschte gute Ding aber so lange auf sich warten, dass vor allem eines entsteht: Langeweile. Derartige stadtgewordene Langeweile herrscht auch seit Jahren auf der Copa Cagrana. Das einst so beliebte Klein-Jesolo der Donaustadt hat seine Glanzzeiten längst hinter sich. Die Tavernen, Strandbars, Restaurants und Hütten, die in den 1980er-Jahren entlang der Neuen Donau errichtet worden sind, um den Wienern ein bisschen Strandfeeling zu bieten, sind heute großteils in marodem Zustand: Vom Shishita-Beach ist nach einem Großbrand im Oktober nur eine Ruine übriggeblieben, unter deren Dach sich verkohltes Mobiliar türmt, und auch zig andere Lokale sind von den vergangenen Jahren und den Überschwemmungen schwer gezeichnet, weshalb der bunte Wildwuchs an Hütten zu Füßen des DC Tower gerne als Schandfleck bezeichnet wird.

Ein Schandfleck, der bald ausgelöscht werden soll. Zumindest wenn es nach der Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) geht, in deren Ressort die Donauinsel und somit auch die Copa Cagrana fällt. Sie hat nämlich bereits im Jahr 2010 im Namen der Stadt Wien eine Räumungsklage gegen den Generalpächter der Copa Cagrana, Norbert Weber, eingebracht. Der Vorwurf lautet, Weber würde die von ihm gepachteten Lokale verkommen lassen, außerdem gebe es Pachtrückstände von etwa 100.000 Euro. Nach jahrelangem Streit hat das Bezirksgericht Donaustadt im Februar in erster Instanz entschieden, dass Weber seine Lokale binnen zweier Wochen räumen muss. „Ein denkwürdiger Tag“, ließ Sima in einer Aussendung wissen. Immerhin wälzt die Stadt ja längst selbst neue Pläne für die alte Copa Cagrana: Im vergangenen Oktober verkündete Sima erstmals öffentlich die Neugestaltung der Fortgehmeile. Genauer gesagt sollen zwei Lokale, mit direktem Pachtvertrag mit der Stadt, einen modernen Neubau bekommen: Auf zweimal hundert Quadratmetern sollen rund 300 Gäste Platz haben. Zwar steht noch kein Termin für den Baubeginn fest, die Fertigstellung des 2,5 Millionen Euro teuren Glaskubus ist allerdings schon für den kommenden Juli geplant.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige