Unter Wölfen

Im Kosovo, dem jüngsten Staat Europas, macht eine korrupte Elite Politik für ihre Günstlinge, statt Demokratie und Rechtsstaat aufzubauen. Die Bürger laufen in Scharen davon. Die EU macht die Grenzen dicht - statt sie endlich zu öffnen

Politik | Reportage: Thomas Wolkinger, Prishtina | aus FALTER 09/15 vom 25.02.2015


Foto: Thomas Wolkinger

Foto: Thomas Wolkinger

Als Erstes will Kadri wissen, ob all die Menschen, die in den letzten beiden Monaten den Kosovo verlassen haben, wirklich Geld von der deutschen oder der österreichischen Regierung bekommen. Doch die Antwort kennt er längst schon selbst. „In spätestens zwei oder drei Monaten müssen sie zurück, oder?“ Auch Kadri hat die Zeitungen gelesen, die TV-Reportagen gesehen, die ganze Familien auf ihrer Flucht über Belgrad nach Ungarn begleitet haben. Hat von den Schleppern gehört, die den Leuten hunderte Euro abknöpfen, um sie über die Schengen-Grenze zu bringen, und davon, dass damit wohl bald wieder Schluss ist, dass die ersten Asylwerber schon wieder im Flugzeug nach Hause sitzen.

Draußen, vor der Teestube Nebi am Grünen Markt von Prishtina, ist es klirrend kalt. Nur wenige Stände haben geöffnet. Äpfel um 30 Cent das Kilo liegen aus, Orangen, Kraut, Tabakballen. Die vielen Boutiquen, in denen Brautkleider oder Mobiltelefone gehandelt werden, sind an diesem Tag geschlossen. Es ist der 17. Februar, der wichtigste Feiertag des Landes: Sieben Jahre ist es her, dass der Kosovo sich von Serbien gelöst hat. 108 Länder haben den Staat seither anerkannt.


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