Manzano: Check

Es gibt neue und gute neapolitanische Pizza in der Stadt

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 10/15 vom 04.03.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Claudio aus Sizilien und Stefano aus Neapel haben eine Flasche Valpolicella auf dem Tisch stehen. Der eine hat schon Pizza in Marsala gemacht, der andere kocht im La Roma beim Kutschkermarkt. Es gefällt ihnen hier, „rustico“, sagen sie, „wie in Neapel“. Das ist natürlich ganz schön ein Kompliment für die neue Pizzeria ihres Haberers Carmine Cilento.

Alle scheinen hier Haberer zu sein. Oder sagen wir so: Carmine hat ein sehr offenes Wesen. Maria Fuchs holte ihn vor sechs Jahren als einen ihrer pizzaioli veraci aus Battipaglia, südöstlich von Salerno, zweieinhalb Jahre machte er Pizza für Mari’, dann war er im „la Dejlizia“ in der Florianigasse, und jetzt war’s Zeit fürs eigene Lokal, sagt Carmine.

Der Name „Pizza Posto 22“ lag mehr oder weniger auf der Hand, erklärt er, weil es in Neapel nämlich ein Spiel gäbe, bei dem irgendwie die Zahlen 1 bis 90 auf einem Blatt Papier stünden, jede Zahl eine Bedeutung habe, 22 konkret für „verrückt“. Und damit könne er sich recht gut identifizieren. Außerdem stimme es mit der Hausnummer überein, und dass es in New Rochelle, NY, auch ein Posto 22 gäbe, betreffe ihn nicht, denn die hätten keine Pizza.

Claudio und Stefano bekommen ihre Antipasti. Sie bestellten, wie Italiener eben bestellen, also nicht von der Karte, sondern indem sie sagen, was sie gerne hätten. Weshalb ihre Antipasti ein bisschen spektakulärer aussahen als meine.

Zur ganz frischen Salami aus Avellino, dem auch recht frischen Capocollo, ein paar Streifchen Pancetta, ein wenig mürb-salzigem, gereiftem Caciocavallo, einem Schüsselchen Oliven und ein paar Scheibchen Mortadella hatten sie nämlich auch noch ein paar in Öl eingelegte Artischocken und vor allem einen Knödel Mozzarella (den sich Carmine am Dienstag und Freitag frisch aus Kampanien liefern lässt). Aber okay, die Ragazzi wussten schließlich auch, dass das „Pizzabrot“ hier ein bisschen besser ist, als wir es kennen: hauchdünn, knusprig, mit Öl und Oregano. Kein Knoblauch. Herrlich.

Dann die Pizza. Carmine bleibt da eher bei den Klassikern. Der Teig reift 25 Stunden, also bekömmlich, gebacken in einem Pizzaofen, der zwar wie ein Holzofen aussieht, aber ein elektrischer ist, trotzdem 430 Grad schafft. Damit kann Carmine gut umgehen. Er dreht, schiebt, hält sie mit der Schaufel noch kurz an den Hitzestrahler, das geht ratzfatz: knuspriger, fingerdicker Rand, hauchdünner, elastischer Boden, „Provola e Pepe“ extra pur mit Paradeisern, geräuchertem Büffelkäse, Pfeffer, sehr gut.

Klar könnte man sich als Ahnungsloser den Boden auch etwas knuspriger vorstellen. Ist dann aber nicht genuino.

Im Gegensatz zu Spaghetti gibt es bei Pizza übrigens keine „authentische“ Methode des Verzehrs, man darf schneiden und essen, wie man will, erklären Claudio und Stefano. Das beruhigt irgendwie.

Resümee:

Eine neue, hübsche, charmante und vor allem natürlich authentische Pizzeria. Hat zwar keinen Holzofen, macht aber nichts.

Pizza Posto 22
9., Währinger Str. 22
Di–Sa 12–15, Di–So 17–22 Uhr
www.pizzaposto22.com


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