Mediaforschung Verführungskolumne

Vier rote Wiener Weiber werben für den Frauentag

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 10/15 vom 04.03.2015

Der Einsatz von Humor in politischer Werbung ist riskant. Ist der Witz gescheit, lachen die Wähler über die Botschaft. Lachen sie aber über die Werbung selbst, ist er gescheitert.

Die neue Kampagne der Wiener SPÖ zum Frauentag zählt zur zweiten Kategorie. Das Plakat zeigt ein nachgestelltes Bild von "Abbey Road", dem ikonischen Albumcover der Beatles. Statt der vier Pilzköpfe schreiten die Stadträtinnen Renate Brauner, Sonja Wehsely, Sandra Frauenberger und Ulli Sima über den legendären Londoner Zebrastreifen. Über den Politikerinnen steht "Good Weibs für Wien".

Was die SPÖ augenzwinkernd vermitteln wollte: In Wien marschieren selbstbewusste Frauen voran. Was das Bild vermittelt: In London queren vier Weiber die Straße. Das Sujet scheitert auf mehreren Ebenen. Erstens, weil die Genossinnen nicht so cool über die Streifen schreiten wie einst die Beatles, sondern dabei eher so orchestriert unbeholfen aussehen wie Genesis im Musikvideo "I Can't Dance".

Zweitens, weil das Wortspiel "Good Weibs für Wien" dämlich ist. Es erinnert nicht nur eher an die Beach Boys ("Good Vibrations") als an die Beatles, sondern bedient sich vor allem des unfeministischsten Wortes nach "Oide". Laut Duden bedeutet "Weib" schließlich "Gegenstand sexueller Begierde", "unangenehm weibliche Person" oder schlicht "Ehefrau".

Nur eines glückt: Das Plakat ist ideal auf die Wählergruppe der SPÖ zugeschnitten. "Abbey Road", erschienen im Jahr 1969, dürften die meisten Pensionisten der Stadt kennen.


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