Kommentar Donaukanal und öffentlicher Raum

Himmel und Sand? Heizschwammerl drüber!

Falter & Meinung | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 10/15 vom 04.03.2015

Der Donaukanal mit seinen Uferzonen funktioniert gut. Als grüne, parkähnliche Ader durch dicht bebautes Gebiet, als Lauf-,Spazierund Radfahrstrecke und seit ein paar Jahren auch als Gastronomiemeile mit Stadtstränden, Badeschiff, ein paar Lokalen der gehobeneren Ballermann-Art. Nun wurden Pläne für eine neue Gastrozone vis-à-vis dem Flex bekannt: "Sky &Sand" heißt das erstaunliche 1000-Quadratmeter-Projekt mit 800 Sitzplätzen, Glaspavillon, Lounge-und Liegebereichen in Beach-Club-Anmutung. Nämlich dort, wo heute nur ein paar Bäume stehen. Und im Gegensatz zu Summerstage oder Tel Aviv Beach wird eine ganzjährige Nutzung angestrebt.

Abgesehen davon, dass der betreffende Uferabschnitt als Grünfläche ausgewiesen ist: noch mehr Gastronomie am Kanal? Geht dann ohne Kommerz überhaupt nichts mehr, und was ist, bitte schön, mit dem Naherholungsgebiet? Schon heute ist es streckenweise unmöglich, sich einfach nur auf ein Bankerl zu setzen. Stattdessen Liegestühle und Konsumzwang, Partybeschallung und Steckerlfisch. Als Gegengeschäft zu den neu geschaffenen Eventflächen verspricht der Bezirk, den Bereich zwischen Marien-und Schwedenbrücke zu entkommerzialisieren -ausgerechnet jenen Kanalabschnitt, wo statt Grün nur Asphalt ist und der in der Vergangenheit gastronomisch ohnehin immer floppte.

Dazu passt auch die Forderung der Wirtschaftskammer, die Schanigartensaison auf zwölf Monate (statt bisher neun) auszudehnen. Viele Lokale würden sich so ganzjährig in die Stadt ausbreiten; es gibt schließlich Heizschwammerln, die den Gästen bei Minusgraden einheizen. Bye-bye, öffentlicher Raum. Bitte noch einmal gut darüber nachdenken!


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