Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Druiden-Trank

Ein herzhafter Tee für urbane Lumbersexuals

Stadtleben | MS | aus FALTER 10/15 vom 04.03.2015

Mit den milderen Temperaturen bekommt man wieder eine Vorstellung davon, was Natur sein könnte. Verdrängt durch Kälte oder verborgen durch Schnee und Matsch war sie bereits außerhalb der Wahrnehmungsgrenze angelangt. Großartig, was uns nun blüht! Wenn die Erdschollen aufbrechen und die vielen grünen Koordinaten nach oben drängen, dann muss doch festgestellt sein, dass der Frühling eine der dynamischsten Jahreszeiten ist. Es ist an der Zeit, die winterlichen Schichten abzustreifen und die gehorteten Kräfte freizulegen. Hierorts geht es um die innerlichen. Und es soll mithilfe von Tee passieren.

"Druiden-Trank" klingt zwar affig, aber man möchte ihn trotzdem versuchen. Dass die Bioteefirma Sonnentor in ihrem keine Mistel verarbeitet hat, ist verwunderlich. Wenn man sich nämlich das kindliche Bild auf der Verpackung ansieht, dann muss man davon ausgehen, dass sich das Getränk an gestandene Asterix-Fans richtet. Und da geht ohne die Mistel gar nichts. Sonst ist der Tee allerdings proper. Die Mischung aus zweierlei Minze, Hanf, Haselnuss, Beifuß, Birke, Sonnenblume und Melisse schmeckt kräftig, leicht fruchtig und regt den Stoffwechsel an. Das Hübsche an dem Tee ist auch, dass die getrockneten Blätter nahezu ganz geblieben sind, was zwar die Handhabung schwieriger macht (es gilt, das ungewohnt überdimensionierte Grünzeug in den kleinen Teefilter zu manövrieren), aber man bekommt wieder eine Vorstellung davon, was Natur sein könnte. Ein Tee für städtische Waldschrate.


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