Kunst Kritik

"Unzumutbar": x-small und gratis für Benetton

Lexikon | NS | aus FALTER 10/15 vom 04.03.2015

Wer derzeit die Sala terrena des Winterpalais betritt, könnte meinen, in einen überambitionierten Souvenirshop geraten zu sein. 161 Minileinwände stecken dort auf Metallstangen, als wären sie zum Pflücken aufgepflanzt worden. Richtig schlimm wird die Präsentation "Vienna for Art 's Sake" aber erst durch die Schilder: Es sind nämlich durchwegs arrivierte Namen, die die Auftragskunst im Postkartenformat verwirklicht haben. Die Idee zu den Liliputkunstwerken stammt vom Modefabrikanten Luciano Benetton, der einen "Weltatlas der zeitgenössischen Kunst" anlegen will. Ex-Museumschef Peter Noever hat die österreichische Ausgabe des Projekts "Imago Mundi" besorgt, deren Artefakte allesamt als Geschenke an Benetton gehen.

"Kompromisslos!" war früher Noevers lautstark reklamierter Anspruch. "Trotzdem!" ist es jetzt. Denn er hat sich zum Vollstrecker einer - sogar von ihm selbst als "unzumutbar" bezeichneten -Idee gemacht, die Benetton entweder als komplett Ahnungslosen in Sachen Gegenwartskunst oder als marketingtechnischen Wolf im Schafspelz ausweist. Denn Kunst mit Leinwand gleichzusetzen ist ebenso überholt, wie nationale Gemeinsamkeiten zu suchen. Soll etwa die Marke Benetton mit den United Colours der Kunst aufgebessert werden? Auf alle Fälle landen ihre Abbildungen auf der Imago-Mundi-Website und können dort in einem Pool mit bald 20.000 anderen, nach 60 Ländern geordneten Arbeiten angeklickt werden. Damit es aber nicht bei x-small bleibt, wurden auch 13 "Interventionen" für die Prunksäle bestellt. Alte Freunde des ehemaligen Mak-Chefs wie Vito Acconci oder Eva Schlegel machen mit, und es regiert der Leitsatz "Big is beautiful". Sowohl der sprechende Roboterkopf von Joep van Lieshout als auch die Fichtenholzhütte von Hans Kupelwieser haben XL-Format.

Winterpalais; bis 31.5.


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