Buch der Stunde

Halt, Mr. Radax! Ein Klassiker der Filmavantgarde

Feuilleton | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 10/15 vom 04.03.2015

Mit ihm war nie wirklich Schritt zu halten, erst jetzt, im Alter von 82 Jahren, ist er von der Filmgeschichtsschreibung eingeholt worden. Das Cover von "Ferry Radax - Vision, Utopie, Experiment" zeigt den Filmemacher mit geschlossenen Augen, lächelnd, den Kopf auf seiner linken Hand ruhend; von der Rückseite blickt Radax uns, in gleicher Pose und gleichem Bildausschnitt, mit leicht gerunzelter Stirn entgegen.

Das beschreibt auch recht treffend das Gefühl, das man nach der Lektüre dieser von Georg Vogt, Otto Mörth und Isabella Hirt herausgegebenen Monografie hat. Denn die 19 darin versammelten Originalbeiträge übersättigen nicht, sondern machen erst so richtig hungrig auf Radax und sein Schaffen, das neben Meilensteinen des österreichischen Avantgardefilms - wie "Mosaik im Vertrauen"(mit Peter Kubelka) oder "Sonne halt!"(mit Konrad Bayer) - auch Malerei und Fotografie umfasst.

Instruktiv zum Beispiel der Beitrag von Christhart Burgmann, langjähriger Redakteur beim WDR, für den Radax großartige Porträts über Konrad Bayer, Thomas Bernhard oder Wolfgang Koeppen realisierte. Spannend Günter Krenns Versuch, "Ludwig Wittgenstein" (1974/75) nicht nur mit Derek Jarmans Film über den Philosophen, sondern auch Monty Python zusammenzudenken. Pionierarbeit leistet Joachim Schätz mit seiner Analyse früher Auftragsarbeiten, die Radax in den 1950ern mit dem Züricher Grafiker Harry Emmel u.a. für Geigys Unkrautvertilgungsmittel machte. Und Josef Schweikhardt, einer der besten Freunde des Filmemachers und versiertester Kenner seines Werks, lädt in "Ferrytales" die Eckpfeiler dieses gewaltigen Œuvres samt dazugehöriger Theoriebildung noch einmal hoch: Radadax reloaded!

So lesenswert das Buch ist, so lobenswert ist seine Gestaltung; ganzseitige Porträts, die Co- Herausgeber Mörth von Radax gemacht hat, sorgen für klare Verhältnisse. Nur die vielen Druckfehler ("Louis" Buñuel, Edgar "Allen" Poe etc. pp.) lassen etwas von der schwierigen Entstehungsgeschichte dieses Bandes erahnen.


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