Der gestohlene Gipfel

Der italienische Architekt Stefano Boeri spricht beim Festival Turn On über sein größtes Desaster. Es hat mit Silvio Berlusconi zu tun

Feuilleton | VORSCHAU: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 10/15 vom 04.03.2015

Ein Mann läuft über die Scherben seiner Träume. Der Film "La Maddalena" zeigte im Vorjahr auf der Architektur-Biennale in Venedig den Architekten Stefano Boeri, wie er ein verlassenes Konferenzzentrum auf einer Mittelmeerinsel besucht. Aus der wabenförmigen Fassade sind Glasteile herabgestürzt, und während die Bruchstücke unter seinen Schuhen knirschen, spricht der 58-jährige Mailänder über das "schwarze Loch", in das ihn das 300 Millionen teure Bauprojekt auf La Maddalena gestürzt habe. "Ich will aber nicht leugnen, dass ich aktiv an diesem riesigen Misserfolg beteiligt war."

Alle zwei Jahre fungiert Venedig als Laufsteg für die internationale Architekturszene; gescheiterte Projekte werden dort selten präsentiert. "Wir Architekten sind es gewohnt, über unsere Arbeiten als eine Abfolge von Siegen zu sprechen", sagt Boeri im Interview mit dem Falter. Der ehemalige Chefredakteur maßgeblicher Magazine wie Domus oder Abitare weiß, wovon er spricht. Beim Wiener Architekturfestival


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