Tiere

Energiebündel

Falter & Meinung | aus FALTER 10/15 vom 04.03.2015


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Ein beliebtes Spiel auf den Schulhöfen der Nachkriegsjahre war es, sich an andere heranzuschleichen, ihnen die Mützen über die Augen zu ziehen und dabei „Der Kaiser hat gesagt: Licht sparen!“ zu rufen. Der monarchistische Appell erschloss sich mir dabei nicht, wohl aber der Sparsamkeitsgedanke. Heute wird nicht mehr verdunkelt, sondern weitsichtig auf den Internationalen Energiespartag geblickt. Dieser findet am 5. März statt, wobei sowohl die offizielle Bezeichnung als auch der Ursprung dieser Initiative im Dunkeln liegen. Manche Organisationen sprechen auch vom „Weltenergiespartag“. Die Idee einer Weltenergie finde ich interessant, aber man sollte davon eher nichts einsparen. Wer erstmals diesen internationalen Aktionstag auslobte, ist nicht so leicht zu finden. Der Österreicher Wolfgang Neumann veranstaltete ab den 1980er-Jahren die Energiesparmesse in Wels und organisierte ab 1991 begleitende Konferenzen zum Thema, die in der regionalen oberösterreichischen Mundart „World Energy Saving Day“ genannt wurden. Und ein paar Sprachmutationen später wird ein internationaler Energiespartag begangen. Wir kleinen Tierfreunde sind mit dabei, denn effizienter Umgang mit Energie ist für die meisten Lebewesen eine Frage des Überlebens.

Wenn Menschen fliegen, dann ist das mit besonders hohem Energieverbrauch verbunden. Vögel haben diese Art der Fortbewegung auf faszinierende Weise perfektioniert: Ein kleiner Vogel, der zum Beispiel nur 40 Gramm wiegt, verbraucht beim Fliegen mit einer Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern knapp zehn Gramm Fett. Pro Flugtag, an dem er bis zu 1000 Kilometer zurückgelegt hat.

Die besten Energiesparer im Tierreich sind aber Bärtierchen (Tardigrada). Sie sind mit freiem Auge kaum zu erkennen, weil sie maximal einen Millimeter groß werden. Bei uns findet man sie in Moosen an ungestörten Stellen wie zum Beispiel auf Dächern. Bei schlechten Lebensbedingungen fallen sie in einen todesähnlichen Zustand und reduzieren alle Lebensvorgänge auf ein Minimum. In diesem Zustand ertragen sie Temperaturen von bis über 100 Grad Celsius, Radioaktivität und Vakuum. Als man sie nach mehr als einem Jahrzehnt in diesem Zustand wieder in eine feuchte Umgebung setzte, quollen sie wieder auf und lebten wieder weiter. So buchstabiert man Energiesparen.


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