Vor 20 Jahren im Falter

Wiengefühl

Wie wir wurden, was wir waren


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Falter & Meinung | aus FALTER 11/15 vom 11.03.2015

Wolfgang Kralicek taucht wieder einmal auf, diesfalls als Telefoninterviewpartner seines Vorgängers Roland Koberg. Kralicek ("war Theatertreffen-Juror und leistet zurzeit Zivildienst", Fußzeile) erläuterte Koberg, warum die Jury des Theatertreffens geschlossen zurücktrat: "Nun ja, das geschah eher im Zeichen eines Zitats von Woody Allen: Meine Frau hat mich verlassen, da habe ich mit ihr Schluss gemacht." Das Theatertreffen war also offenbar in Geldnot. "Es kann auch passieren, dass das ganze Theatertreffen abgeschafft wird, obwohl es ohnehin relativ billig ist, weil es im Unterschied zu anderen Festivals keine Gagen gibt. Deshalb sind zum Beispiel die Gastspiele des Burgtheaters so gefürchtet, weil durch dessen Kollektivverträge die Bühnenarbeiter irrsinnige Auslandszuschläge bekommen."

Manchmal kann man sich den Blick in die Ressorts sparen und einfach in die ziemlich lustige, von Christian Zillner betreute Rubrik "Index Wiengefühl" schauen:

"Ein Mann schießt 13-mal im Linzer Landesgericht, weil er einen Ehrenbeleidigungsprozess verloren hat. Fünf Menschen sterben (danach begeht der Täter Selbstmord). Ein unbekannter Mörder schießt 27-mal auf eine Architektin in Pötzleinsdorf und tötet die Frau. Allmählich scheint es an der Zeit, die Hymne umzuschreiben: Land der Pumpguns, Land der Säufer /Killer, irren Amokläufer /Heimat bist du Prügelknaben /die zu Hause Waffen haben - der Rest steht täglich bei Wolf Martin (dem 2012 verstorbenen Hauspoeten der Kronen Zeitung, Anm.) Achtfaches Minus. Event der Woche: neun Stunden Stau an der Grenzstation Nickelsdorf. Minus."

Es gab Positives, heute Unvorstellbares: "Vranz (Kanzler Franz Vranitzky, Anm.) fuhr zum Sozialgipfel nach Kopenhagen und erließ den sieben ärmsten Ländern die Schulden. Wie hoch die waren? Egal. Ein Lob der guten Absicht. Plus. (...) Assinger um den Abfahrtsweltcup geprellt. Eine Skination in Sack und Asche, minus. Umwelt: Wiener Klimaforscher fordern Emissionsbeschränkungen für Treibhausgase, inzwischen ist es ständig zu warm (durchschnittlich fünf Grad). Prächtig, plus."


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