Ein bewebtes Leben

Vom Aktionismus zum Gobelin: Ingrid Wieners besondere Karriere als Stoffkünstlerin, Musikerin und Köchin

Feuilleton | Porträt: Matthias Dusini | aus FALTER 11/15 vom 11.03.2015

Was Ingrid Wiener seit 40 Jahren macht, ist so cool wie, sagen wir einmal, Zitherspielen. Sie webt sogenannte Gobelins, mit einer speziellen Technik hergestellte Wandteppiche. "Das Weben beruhigt", erklärt die 73-jährige österreichische Künstlerin beim Gespräch in der Charim Galerie, wo einige ihrer neuen Werke zusammen mit Filmarbeiten von Rosa Barba zu sehen sind.

Stunde um Stunde, Woche um Woche führt sie das Weberschiffchen durch die Kettfäden, ein Kontrast zu einem unsteten Leben. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Künstler und Theoretiker Oswald Wiener, zog sie durch die halbe Welt. Erst letztes Jahr gaben die Wieners ihr Haus in dem Goldgräberstädtchen Dawson City im Nordwesten Kanadas auf. Nun steht ihr Webstuhl in einem Bauernhaus im steirischen Kapfenstein. Die Vorlagen für die Gobelins sind Einkaufslisten, Landschaftsfotos oder auch mathematische Formeln. Die Zufälligkeit der Motive und die Langsamkeit des Webens sind ein Kontrast; die ganze Aufmerksamkeit gilt dem Nebensächlichen.

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