Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht: Joachim J. Fötter feiert Hubsi Kramar

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 11/15 vom 11.03.2015

Es gibt das schöne, aber oft leichthin gesagte Sprichwort von den Brettern, die die Welt bedeuten. Für sein neues Drama "Yorick stirbt" nimmt es Joachim J. Vötter wörtlich. Einem Atlanten gleich stemmt sein Stück den monströsen Globus, den seine Bilder und Gedankenkreise in scheinbar endloser Schleife umschiffen: Die Theaterwelt als Welttheater des Theaterdirektors Hubert "Hubsi" Kramar.

Nach dem Ende des legendären Wiener 3raum-Anatomietheaters hat dessen Stammautor seinem Direktor einen Text auf den Leib geschrieben, der Kramar noch einmal in die Referenzhölle einer Hamlet'schen Dramaturgie entführt. Der Schauspieler Daniel Doujenis gibt "den Schauspieler", sein Kollege Markus Kofler "den Dichter". Regie führt Ernst M. Binder, der den Text, in dem der Gegenwart mit einer "geistigen Entziehungskur" begegnet wird, in zeitloser Zurückhaltung zeigt. Ja, wenn hier ein Zeitgeist vorbeischwebt, dann jener vergangener Jahre, als die intellektuelle Geste noch raumgreifend ausgespielt wurde, Dichtung nach Weltflucht und Nihilismus roch und das Theater nach Beckett oder Bernhard.

Kramar darf sich selbst als führende Führer-Persiflage zitieren, aber auch Vötter bringt sich und seine Arbeit mit dem Direktor ins Spiel. Ein Totenkopf taucht auf, der Dichter zaudert wie ein Prinz aus Dänemark, doch die Welt fällt. Zumindest der Kettensäge zum Opfer. Ein Abschied als Abgesang auf alles, was der Freiheit dieser Kunst längst im Weg steht. Kramar hat sich wieder frei gemacht, Binder und Vötter feiern ihn dafür - mitsamt der demolierten Bretter, die einmal die Theaterwelt bedeutet haben.

Dramagraz, Mi (11.3.), Do (12.3.), Fr, Sa 20.00


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