Mediaforschung

Die starke Frau von heute trägt Stöckelschuh und Bohrer

Verführungskolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 11/15 vom 11.03.2015

Vor exakt 20 Jahren starb der gebürtige Wiener Edward Bernays im Alter von 103 Jahren in den USA. Er war Sigmund Freuds Neffe und gilt als Vater der PR.

Legendär machte ihn etwa seine Arbeit für die Tabakindustrie, die ihn engagierte, um ihren Umsatz zu steigern. Bernays erschloss für sie eine neue Zielgruppe: Frauen. Öffentlich zu rauchen war damals für Damen tabu. 1929 heuerte er deshalb Frauen an, die auf einer Parade in New York selbstbewusst an ihren Zigaretten zogen. Die Fotografen knipsten, die Journalisten schrieben und Bernays pries die Tschik als "Fackeln der Freiheit". Sie avancierten zum Symbol für starke Frauen. So wurde Pofeln zum Akt der Emanzipation.

Heute klagt das Heimwerkergeschäft Zgonc in einer Aussendung: "Unsere aktuellen Zahlen zeigen, dass unter den Kunden nur knapp zehn Prozent Frauen sind". Dass sich Frauen "kaum bis nicht an Reparaturarbeiten beteiligen, ist im Zeitalter der Emanzipation eigentlich kaum vorstellbar." Mit einer neuen Kampagne will Zgonc die Damenwelt deshalb zum Heimwerken animieren. Weil ja Frauentag ist.

Bernays warb 1929 mit rauchenden Suffragetten. Wie wirbt Zgonc heute, 86 Jahre später, um die emanzipierte Zielgruppe? Genau: mit einem lasziven Model im sexy Cocktailkleid. Stöckelschuhe an den Füßen, Bohrer in der Hand. Dazu der Machospruch: "Weil Frauen gerne nachbohren". Bloß knapp zehn Prozent der Zgonc-Kunden sind Frauen? Die Kampagne könnte die Zahl bald halbieren.


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