Selbstversuch

Rauchts von mir aus, bitte, rauchts

Doris Knecht macht sich verdächtig

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 11/15 vom 11.03.2015

Hiermit stelle ich mich mutig der Gefahr, erstens mich verdächtig zu machen, der bösen Verbotsgesellschaft das Wort zu reden, zweitens auch heuer wieder für den Scheiß-Internet-Award nominiert zu werden. Aber leider gibt es so viele Dinge, von denen eigentlich klar sein sollte, dass man sie nicht tut, aber die Leute tun sie trotzdem. Was macht man dann? Man tippt sie im Theater zärtlich von hinten an und gibt ihnen freundlich zu verstehen, dass man es etwas störend findet, wenn sie während der Aufführung ihr Maxi-Sechser-iPhone in die Luft recken und damit Fotos, Videos und Selfies live auf Facebook und Instagram posten. Natürlich reagieren diese Leute verstört bis empört. Verbotsgesellschaft!! Da machen sie schön Werbung für das Stück und den Kunstort Theater als solchen, und dann! Ja, sori.

Weil wir gerade beim Moralisieren sind: Richtig, man sollte nicht bei Amazon einkaufen. Wie ich kürzlich gesagt habe, dass ich's mitunter trotzdem tue, gab's viel Wutgeschrei. Eh zu Recht. Vor allem ein paar Buchhändlerinnen und Buchhändler waren sauer, und deshalb sage ich eins: Nie, nienieniemals bestelle ich Bücher bei Amazon. Bücher kaufe ich ausschließlich bei den Buchhändlerinnen meines Vertrauens, und bin ich zu faul das Haus zu verlassen, bestelle ich sie bei ihnen, die meisten machen nämlich eh auch Versand, schnell und unkompliziert. Bei Amazon kaufe ich mir ausschließlich merkwürdige Haushaltsgegenstände, für deren Erwerb ich dreimal umsteigen müsste. U.a. weil ich nicht mehr in das Haushaltswarengeschäft in der Nähe gehen kann. Ich habe dort kürzlich eine Thermosflasche gekauft, die kostete ungefähr dreimal so viel wie bei Amazon oder im Billigladen, doch ich wollte eine brave Konsumentin sein und Qualität im Einzelhandel kaufen. Als ich sie dann benutzte, floss der Tee nur in dünnstem Rinnsale heraus. Ich ging in das Geschäft und trachtete die Flasche zu retournieren. Die Leute füllten heißes Wasser ein, es floss in dünnstem Rinnsale heraus, sie sagten, das gehört so. Ich sagte, das gehört nicht so, so viel Zeit habe ich nicht, ich möchte die Flasche bitte zurückgeben, eine Gutschrift ist okay. Der Geschäftsführer fragte mich, ob ich wolle, dass er pleite gehe, wolle ich das?, wolle ich das?? Ich ging mit der Flasche wieder aus dem Geschäft hinaus und gehe dort nicht mehr hinein.

Apropos Verbieten und Tschick: Rauchts, von mir aus. Aber wenn's möglich ist: Rauchts nicht in Gegenwart eurer Halbwüchsigen und den eurer Freunde. Denen seid ihr nämlich, ob sie es euch wissen lassen oder nicht, ein Vorbild, und wenn ihr nicht wollt, dass die zu rauchen anfangen, dann tuts nicht so, als sei es wurscht, ob man raucht. Eh fangen sie vielleicht trotzdem an, aber dann braucht ihr wenigstens deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben, oder. Ja, schon gut, ich bin fertig.

Doris Knechts neuer Roman "Wald" (Rowohlt Berlin) kann in den Buchhandlungen erworben werden www.dorisknecht.com


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