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Benedikt Narodoslawsky | Falter & Meinung | aus FALTER 11/15 vom 11.03.2015

Gepp geht. Nie wieder wird er im Büro einen stacheligen Gummiball nach Leuten werfen, die die Grenzen seines bewundernswert langen Langmuts überschreiten. Nie wieder wird er einem einen Tee machen, wenn er sieht, dass einem am Produktionsmontag kalte Schweißperlen übers Gesicht laufen. Einfach so. Oder fragen, ob er irgendeinem noch irgendeine Arbeit abnehmen könne. Kollege Gepp. Kollege Kollegial.

Auf dem Papier ändern sich ja nur ein paar Buchstaben: Aus dem Joseph Gepp wird ein Josef Redl. Das ging bereits die Runde. Der Joseph Gepp geht vom Falter zum Profil, der Josef Redl war beim Profil und kommt zum Falter. Beide sind renommierte Wirtschaftsredakteure. Irgendwie klingt alles logisch.

Und irgendwie ist alles komisch. Der Redl war schon da, er hat sich seinen neuen Arbeitsplatz angeschaut. Er machte einen sehr sympathischen Eindruck, da sind sich hier alle einig. Wir begrüßen ihn mit offenen Armen im April.

Aber der Gepp wird trotzdem fehlen. Sehr sogar. Im Falter, diesem journalistischen Sammelbecken der liebenswerten, bunten, schrulligen Seelen, war der Gepp einer der Besten. Nicht nur journalistisch, sondern auch menschlich. Über niemanden verlor er ein böses Wort. Selbst wenn man ihn dazu zwang. Er schwieg.

Er schrieb. Uneitel. Unbestechlich. Und brillant.

Gepp geht. Ein Kollege verschwindet, ein Freund bleibt. Mach's gut, Kamerad. Genieß deine letzte Woche im Falter.


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