Sag zum Abschied leise Kino: ein Singspiel mit Neuer Musik als letzte Premiere

Feuilleton | WK | aus FALTER 11/15 vom 11.03.2015

Mit Musik fällt alles leichter, auch der Abschied. Für seine letzte Spielzeit am Schauspielhaus hat Andreas Beck deshalb drei unkonventionelle Musik-Theater-Projekte in Auftrag gegeben. Für Anja Hillings Melodram "Sinfonie des sonnigen Tages" lieferte die Elektronikband Mouse On Mars einen Soundteppich, Thomas Arzts Einbrechermusical "Johnny Breitwieser" mit Musik des US-Komponisten Jherek Bischoff ist der Hit der Saison. Das ehrgeizigste Projekt aber kommt zum Schluss: Schauspielhaus goes Neue Musik.

"Das Gemeindekind" orientiert sich an der alten Form des "Singspiels", in dem Gesangs- und Sprechpassagen gleichberechtigt sind. Normalerweise müssen sich Sänger dabei auch als Schauspieler bewähren; hier ist es umgekehrt: Das Schauspielhaus-Ensemble muss singen. Komponist Gerald Resch hat darauf Rücksicht genommen. Der Gesang ist eher Sprechgesang, jedem der fünf Schauspieler wurde ein Instrument zugeordnet (die Musiker sind Mitglieder des renommierten Ensembles Phace). Und das funktioniert ziemlich gut.

Von Marie von Ebner-Eschenbachs sozialkritischem Roman (1887) ist in Anne Habermehls dichtem Libretto nur das Grundmotiv übriggeblieben. Der 15-jährige Pavel (Thiemo Strutzenberger) kommt in eine Pflegefamilie und gerät dort an die coole Tochter des Hauses (Franziska Hackl)."Ich will wissen, wer du bist", sagt sie einmal. Die überraschende Antwort: "Ich bin der König des leeren Kinos." Das ist ein wunderbarer Satz. Aber es braucht auch einen Schauspieler, der so einen Satz so überzeugend sagen kann wie Strutzenberger.

Am Ende des 70 Minuten kurzen, spröde-poetischen szenischen Konzerts (Regie: Rudolf Frey) verlässt das Gemeindekind das Dorf, seine Silhouette verschwindet langsam am Horizont.


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