Stadtrand Urbanismuskolumne

Frühlingsgefühle im Spätwinter-Wien

Birgit Wittstock wundert sich über die heftigen Frühlingswallungen mancher Stadtmitbewohner

Stadtleben | aus FALTER 11/15 vom 11.03.2015

Es ist ja eigentlich eh jedes Jahr dasselbe: Wenn der Winter in die Endrunde geht, dann hält man's einfach nicht mehr aus. Man will Vogelgezwitscher, wärmende Sonne, Grün an den dürren Zweigen, nackte Füße, keinen Rollsplitt im Schuhprofil, und vor allem hat man die Schnauze voll von der gesamten Wintergarderobe. Das ist ebenso generalisierbar wie psychologisch total nachvollziehbar.

Weniger generalisierbar und psychologisch überhaupt nicht nachvollziehbar sind allerdings die Gefühlswelten jener Realitätsverweigerer, die im Frühjahr bei arktischen Temperaturen im Strandoutfit herumlaufen und trotz Extrem-Gänsehaut so tun, als wäre ihnen wohlig warm und alles easy. Jedes Jahr dasselbe. Normalerweise handelt es sich bei diesen Wahnsinnigen um besonders hartgesottene Teenager. Diesmal war es allerdings eine Gruppe sogenannter Best-Agerinnen, die bloßfüßig in Sandalen und in kurzärmeligen T-Shirts die Tuchlauben hinunterschlenderten, während alle anderen, halbvermummt und in Jacken gepackt, fassungslos hinterherblickten und die Köpfe schüttelten.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige