Tiere

Hart bleiben

Peter Iwaniewicz verweist auf die aktuellste Metastudie, die den globalen Durchschnitt spenis mit steifen 13,12 Zentimetern vermisst

Falters Zoo | aus FALTER 11/15 vom 11.03.2015


Studien zu Homöopathie, belebtem Wasser und Wünschelruten erscheinen vergleichsweise seriös, wenn man sie mit einem anderen Forschungsfeld vergleicht: Penislängen. Sehr beliebt sind Erhebungen, die auf Volksweisheiten beruhen und den Zusammenhang zwischen einer anderen menschlichen Organgröße und dem männlichen Glied vermessen. Je nach Landeskultur ist der Johannes eines Mannes so groß wie seine Nase oder seine Fußgröße. Oder entspricht dem Abstand von Handgelenk zur Fingerspitze des Mittelfingers. Wie diese Vermessungen vorgenommen wurden (schlaff, erigiert), wer daran beteiligt war (Eigenangaben, älterer Professor, junge weibliche Ärztin) und wie viele Probanden zur Statistik beigetragen haben, das bleibt meist unerwähnt. Dennoch werden dann auf dieser ominösen Basis ganze Weltkarten erstellt, wo man nicht nur den durchschnittlichen Landeswert (targetmap.com: Österreich 14,7 cm) ablesen kann, sondern auch ein Bezug zur Intelligenz hergestellt wird (Österreich: durchschnittlich, 100 Punkte). Was auch immer das bedeuten mag.

Aus Sicht mancher Evolutionsbiologen sollte es zwischen den Größen von Gehirn und Geschlechtsorganen nur eine negative Korrelation geben. Denn Entwicklung und „Betrieb“ kosten Organismen viel Energie. Lebewesen mit großen Gehirnen würden weniger in die Ausbildung von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen investieren. Und umgekehrt. In dieser Theorie liegt wohl auch ein läppisches Witzchen verborgen, aber mit Penislängen ist nicht zu spaßen. Daher hat Alexander Kotrschal von der Uni Wien eine Studie an Guppys, den beliebten Süßwasser-Aquarienfischen, durchgeführt. Über vier Generationen wurde durch selektive Zucht die Größe dieser Fischgehirne verändert. Offensichtlich sind bei Guppys dieselben Gene für die Größe des Gehirns als auch der Schwanzflossen, der Genitalien und der Farbintensität bei der Paarung verantwortlich. Die Weibchen gaben jedenfalls jenen Männchen den Vorzug, die über ein großes Gehirn und damit auch über sehr ausgeprägte Geschlechtseigenschaften verfügten.

Aber damit kein falscher Stolz bei männlichen Bildungsschichten vom Bachelor aufwärts über eine somit wissenschaftlich bestätigte Virilität aufkommt: Der genetische Zusammenhang gilt nicht für Menschen, da ist immer noch die Nasenlänge das Maß aller Dinge.


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