Enthusiasmuskolumne

Entfesselt lachen mit "Fifty Shades of Grey"

Diesmal: die beste Pornopersiflage der Welt der Woche

Feuilleton | Barbara Tóth | aus FALTER 11/15 vom 11.03.2015

Feministen und Feministinnen, aufgepasst: Diese Empfehlung passiert freiwillig und im vollen Bewusstsein dessen, dass man den Hausfrauenporno und Kassenschlager "Fifty Shades of Grey" auch ganz anders lesen kann. Nämlich als Verharmlosung von häuslicher Gewalt und sexueller Ausbeutung.

Aber als ich ihn mir letzte Woche mit Begleitung in einem ganz gewöhnlichen Wiener Kino (genauer: in der Lugner-City) angeschaut habe, sah ich ihn mit anderen Augen: als ulkigste Hochglanz-Porno-Persiflage.

Vielleicht liegt es daran, dass ihn sich gut einen Monat nach Kinostart vor allem Besucherinnen geben, die viel dazu gelesen haben und den Abend eher phänomenologisch angehen. Und interaktiv.

Christian Grey wird von Jamie Dornan dankenswerterweise so hilflos gespielt, dass es automatisch komisch wird, wenn er auf der Leinwand auftaucht. Wenn er dann auch noch seine Schlüsselsätze aufsagt, wie etwa "Ich schlafe nicht mit jemandem. Ich ficke (lange Kunstpause) hart", bekommt er Lacher und sogar Szenenapplaus.

Bei der legendären "Rocky Horror Picture Show" sprach das Publikum Dialoge mit. Geeignete Stellen gibt es auch bei "Fifty Shades" genug, vor allem in der deutschen Übersetzung. "Wir werden die Situation sofort bereinigen", sagt Grey etwa, als er herausfindet, dass die von Dakota Johnson wacker dargestellte Anastasia Steel noch Jungfrau ist. "Was soll das heißen? Was für eine Situation?" "Deine Situation. Ana, ich werde mit dir schlafen, sofort."

Kann es sein, dass die britische Regisseurin und Künstlerin Sam Taylor-Johnson das Mega-PR-Projekt unterwandert hat? Als Rache an den ganzen Auflagen, die sie bekam? Als Persiflage funktioniert "Fifty Shades of Grey" jedenfalls wunderbar.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige