Was geschah am 10. Oktober?

In der faszinierenden Recherche "Die Vergeltung. Rhoon 1944" taucht Jan Brokken in den Horror der deutschen Okkupation in den Niederlanden ein

Feuilleton | Rezension: Sigrid Löffler | aus FALTER 12/15 vom 18.03.2015

Das Ganze ist jetzt 70 Jahre her, aber für die Dorfbewohner von Rhoon ist die Sache bis heute nicht ausgestanden. Immer noch geben sie - jetzt schon in der zweiten und dritten Generation - einander reihum die Schuld an dem, was damals passierte, als Rhoon von der deutschen Wehrmacht besetzt war. Denn bis heute ist nicht klar, was genau in dieser kleinen niederländischen Gemeinde südlich von Rotterdam in der Nacht des 10. Oktober 1944 geschah.

War es ein Unfall? Eine Verkettung unglücklicher Umstände? Ein Mordanschlag? Ein politischer Sabotageakt? Unbestritten ist nur, dass der deutsche Soldat Ernst Lange - 18 Jahre alt, Matrose in Ausbildung - in der Dunkelheit auf dem Deich in das herunterhängende Kabel einer Hochspannungsleitung lief und von einem 500-Volt-Stromschlag getötet wurde.

Tags darauf übten die deutschen Besatzer grässliche Vergeltung an den Dörflern. Sieben Männer wurden wahllos ergriffen und erschossen, ihre Häuser in Brand gesteckt. Die Erinnerung an diese Racheaktion


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