Herzloses Gelächter

Ruth Beckermanns Videoinstallation "The Missing Image" erinnert an die demütigenden Reibpartien im März 1938

Feuilleton | Reportage: Michael Omasta | aus FALTER 12/15 vom 18.03.2015

Eine solche Menschenmenge wie am vergangenen Donnerstag dürfte sich zuletzt 1988 auf dem Albertinaplatz versammelt haben. Damals eröffnete Bürgermeister Helmut Zilk das "Mahnmal gegen Krieg und Faschismus" des Bildhauers Alfred Hrdlicka. In der Mitte des Denkmals kniet ein bärtiger, alter Mann auf dem Boden und wäscht das Pflastersteintrottoir.

Viele ihrer Freunde, sagte die Wiener Filmemacherin Ruth Beckermann letzten Donnerstag, würden seit der Errichtung dieses Denkmals einen Bogen um den Platz machen. Sie selbst habe sich eine Zeitlang mit dem Gedanken getragen, die kniende Figur in einer aktionistischen Performance zu entführen, weil hier der "ewige Jude" zum "ewigen Opfer" gemacht werde. Stattdessen wurde am 12. März, dem 77. Jahrestag des "Anschlusses", nun Beckermanns Installation "The Missing Image" präsentiert. Auf zwei länglichen, an Standspiegel erinnernde LED-Screens ist das bisher einzige bekannte filmische Dokument einer sogenannten Reibpartie zu sehen.

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