Kommentar Kulturpolitik

Doch nur drei Prozent: Die Steuerreform schont die Kultur

Falter & Meinung | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 12/15 vom 18.03.2015

Es kam dann doch nicht so schlimm. Im Zuge der Diskussion über die geplante Steuerreform hatten die Kulturveranstalter des Landes befürchtet, die Erhöhung der Mehrwertsteuer werde auch den Verkauf von Büchern, Konzert-, Museums- und Kinokarten betreffen. Die Rede war von einer Anhebung der Steuer von zehn auf 20 Prozent, was nun offenbar vom Tisch ist. Der Steuersatz für Bücher und Zeitungen bleibt gleich, bei den Tickets gibt es eine Erhöhung von zehn auf 13 Prozent. Eine Kinokarte wird in Zukunft mithin also 11,30 Euro kosten statt bisher elf Euro.

Die Preise für Endverbraucher sind ein heikler Punkt der Kulturwirtschaft. Im Bereich der Hochkultur blecht der Konsument ohnehin Länge mal Breite, auch ohne in die Nähe von Burgtheater, Albertina oder Staatsoper zu kommen. An der Kassa muss er wieder ins Tascherl greifen. Wer etwa das Belvedere mit seinen vier Standorten besuchen will, muss dafür 30 Euro berappen. Da wird Kultur schnell einmal als Luxus empfunden. Theater und Oper legen Kontingente günstiger Tickets auf; Verdi und Shakespeare sollen nicht nur die oberen Zehntausend erreichen. Eine zehnprozentige Anhebung der Mehrwertsteuer hätte dem Steuerzahler das Gefühl gegeben, dass die angekündigte Erleichterung in Wahrheit nichts anderes ist als eine raffi nierte Variante des Abkassierens. Wer für ein Taschenbuch oder eine Zeitschrift zwölf statt elf Euro hinlegen muss, zieht die kaufbereite Hand im letzten Augenblick vielleicht doch noch wieder zurück

Der von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) ausverhandelte Kompromiss tut den Leuten nicht weh. Und beruhigt jene Meinungsbildner in den Medienhäusern, deren Produkte im Kiosk gleich teuer bleiben.


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