Theater Kritik

Der "Dude" als Wiener in The.Big.Lumpazi

Lexikon | SS | aus FALTER 12/15 vom 18.03.2015

Auf der Bühne eine Carrera-Rennbahn und ein riesengroßer Flachbildfernseher, das Publikum sitzt auf gemütlichen Polstermöbeln, und wer will, kann sich an der Bar einen White Russian bestellen, den Wodka-Milch-Cocktail, den der "Dude" im Kultfilm "The Big Lebowski" immer trinkt. In "The.Big.Lumpazi" ist der Dude (Ernst Kurt Weigel) ein Wiener. In Flip-Flops und langen Haaren schlurft er über die Bühne. Anstatt zum Bowling trifft er seine Freunde Donny (Clemens Berndorff) und Walter (Kajetan Dick) zum Carrera-Autorennen und sein eigentlicher Name ist nicht Lebowski, sondern Lumpazi.

Im neuesten Mash-up des Bernhard Ensembles treffen Johann Nestroys Zauberposse "Der böse Geist Lumpazivagabundus" und der Film der Coen-Brüder aufeinander. Auf dem Flachbildfernseher laufen Pornofilme und Szenen aus "Superman", Michael Welz sitzt "behindert wie Stephen Hawking" im Rollstuhl, Amorosa (Grischka Voss) reibt ihre Muschi am Teppich und Albane Troehler will als Porno-Darstellerin Bunny Fortuna ausschließlich Sex. Nicht zum ersten Mal vereint die Theatergruppe um Voss und Weigel einen amerikanischen Kultfilm mit einem österreichischen Theaterklassiker.

Nach der Zusammenführung von Lynch und Schnitzler sowie Tarantino und Horvath heißt es diesmal: "Coen Brothers vs. Nestroy". Würde man die Wettkampfansage ernst nehmen, ginge der Sieg ganz klar nach Los Angeles. Der Dude und seine Kumpel werden zwar in ihrer Gemütlichkeit bedroht, weil im Feenreich Uneinigkeit herrscht, und Couplets gibt es, wie bei Nestroy üblich, auch, aber viel ist von der Posse nicht übrig geblieben. Zwischendurch wird die groteske Inszenierung ziemlich grenzwertig und politisch unkorrekt, aber wenn man sich auf den Trash einlässt, funktioniert auch dieses Mal das Mash-up überraschend gut.

Off-Theater, Fr, So, Di 19.30


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