Ärzte mit Grenzen

Die Gemeinde will auf Druck der EU die Arbeitszeiten für Wiener Spitalsärzte deutlich kürzen. Doch diese rebellieren. Über den Kampf um die Zukunft des Gesundheitssystems

Politik | Anamnese: Nina Brnada | aus FALTER 12/15 vom 18.03.2015

Wenn der Magen zu knurren beginnt, schnappt sich Gerhard Hochwarter eines dieser Trinknahrungsfläschchen. Aminosäuren, Zucker und ein paar Vitamine für jene Patienten, die sonst nichts zu sich nehmen können - und für Chirurgen wie Hochwarter, die keine Zeit zum Kauen haben. Er leert den Beutel im Gehen zwischen der Station und dem Operationssaal. "250 Milliliter, 250 Kalorien, gerade so viel, um den Hunger zu übertünchen", sagt er.

An diesem Nachmittag hat der 58-Jährige frei, er sitzt im Café Alt Wien, taucht einen Löffel in seine Gulaschsuppe und nippt am Krügerl. Letzte Nacht und am Tag zuvor hatte er im Donauspital im 22. Bezirk insgesamt neun Menschen operiert: Magendurchbruch, Blinddarm, Zehenamputationen. Zwischendurch klopfte er bei Kontrollgängen an Zimmertüren und schob durch Speiseröhren Schläuche in Mägen.

Hochwarter hat einen 25-Stunden-Dienst hinter sich. "Dass das keine ideale Arbeitszeit ist, weiß natürlich auch ich", sagt er. Dennoch lehnt er ein Dokument


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