Kunst Kritik

Reizvolle Illusion: Landnahme im Mak-Keller

Lexikon | NS | aus FALTER 12/15 vom 18.03.2015

Durch das Fenster strahlt das Wüstenlicht. Alfredo Barsuglia hat in die Mak-Galerie eine Abfolge von Wohnräumen gebaut, deren Ausblick - scheinbar - auf die kalifornische Landschaft gerichtet ist. Im Vorjahr installierte der 1980 geborene Künstler in der Mojave-Wüste einen öffentlich benutzbaren Pool, der viel Resonanz fand. Ein aufs Fenster projiziertes Video zeigt ihn beim Sandschaufeln in der Wüste, so als stünde er vor dem Haus.

Mit seiner Schau "Cabinet" tritt Barsuglia zunächst in die Fußstapfen all jener Künstler, die private Umgebungen simuliert haben. Er hat aber nichts mit spektakulären Eingriffen seiner Vorläufer am Hut, etwa Ilya Kabakovs Ost-Inszenierungen oder Gregor Schneiders unheimliches "Haus Ur". Barsuglias Raumabfolge wirkt wie eine halbfertige Wohnung mit Garderobe, Bad und Wohnzimmer, das schon richtig gemütlich aussieht. Die fiktiven Bewohner dieser schlicht eingerichteten Zimmer zeichnet ihr Naturinteresse aus: Von Insektensammlungen und - selbstgemalten - botanischen Blumenbildern über in Gläsern wurzeltreibende Avocadokerne bis hin zu einem Meerschweinchenvideo reicht die ausgestellte Domestizierung von Flora und Fauna.

Was sich nicht von selbst erschließt: Mit den in der amerikanischen Einschicht gefilmten Hütten möchte Barsuglia auch an die Siedlerbewegung des Homestead Act erinnern, die in so kargen Landstrichen zu überleben versuchte. Es geht also auch um Autonomie und Selbstversorgung, ob nun in der Gestaltung eines eigenen Zimmerchens oder durch die Inbesitznahme eines Stücks Land. Am Ende verlässt man die Wohnung und blickt auf die Stellwände, was den Modellcharakter noch reizvoll unterstreicht.

Der Künstler bietet auch einen Jour fixe an: Jeden Dienstag ab 20 Uhr kann seine Installation für ein Abendessen genutzt werden.

Mak - Museum für angewandte Kunst, bis 10.5.


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