Tiere

Los geht's!

Peter Iwaniewicz tippt nicht fehlerhaft: Die Kopulation von Störchen endet mit einer Klapperstrophe

Falters Zoo | aus FALTER 12/15 vom 18.03.2015


I’ll be back!, sagte der Frühling letztes Jahr. Und nun ist das Ende des Winters nah. Untrügliches Anzeichen für die Rückkehr von Saft und Kraft in der Natur ist die – religiös-pathetisch formulierte – Wiederauferstehung von Tieren. Manche kommen aus ihren Winterverstecken und andere reisen an. So wie die Weißstörche, von denen die ersten männlichen Vögel bereits letzte Woche in Rust am Neusiedlersee eingetroffen sind. Der örtliche Storchenverein hat auch schon den Frühjahrsputz in allen 31 Nestern abgeschlossen. Jetzt bessern die Störche noch die Horste aus, dann kommen die Störchinnen und legen durchschnittlich 3,81 Eier ab, aus denen wiederum ebenso durchschnittlich 2,96 Jungstörche hervorgehen.

So weit die statistischen Daten. Überraschenderweise fehlen in keinem Lehrbuch der Statistik Störche. Dort sind sie mahnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn man Korrelation und Kausalität gleichsetzt. Mit diesem Thema kann man sicher auch auf Cocktailpartys brillieren, aber uns interessiert die „statistisch belegte Tatsache“, dass es einen Zusammenhang zwischen Größe der Storchenpopulation und Geburtenrate eines Landes geben soll. Als signifikant gilt eine Aussage, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass der Zufall bei der Messung eine Rolle gespielt hat, geringer als fünf Prozent ist. Und die Daten belegen „signifikant“, dass Störche und menschlicher Nachwuchs miteinander verbunden sind. Plappert man gerne mal so nach, verdreht dabei die Augen und sagt so Geistreiches wie „Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Dabei wäre es offensichtlich, dass der Zusammenhang zwischen der Anzahl von in einem Land pro Jahr geborenen Menschen und der Anzahl der in einem Land lebenden Storchenpaare wesentlich durch die Größe des Landes zu erklären ist.

Meist wird aber der Fehler von den Statistikern, die ihr schönes Lehrbeispiel nicht missen wollen, selbst durch Manipulation der Daten gepflegt. In Wien zum Beispiel gibt es seit 2004 eine steigende Geburtenrate, aber keine brütenden Storchenpaare. Der letzte Horst wurde 1971 beim Praterstadion gesichtet und ist im Jahr danach „erloschen“, wie es die Zoologie formuliert. Dehnt man aber die Zone der Datenerhebung bis zur Storchenkolonie im niederösterreichischen Marchegg aus, dann stimmt die Theorie wieder.

Dies ist statistisch allemal signifikant: Es wird Frühling!


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