Doch, Europäer essen so was

Am Naschmarkt-Nordhang machte was Neues, Kleines, Chinesisches auf

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 12/15 vom 18.03.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Warum die Rechte Wienzeile immer noch so ein bisschen versifft ist, warum hier immer noch ein bisschen das rote Licht flackert und es hier immer noch so aussieht, wie es in Seitengassen von Märkten halt aussieht, ist ein Rätsel. Vor allem deshalb, weil das gegenüber, auf der Linken Wienzeile, ja nicht so ist, da drängen sich die Boutiquen, da wohnen die Zahnärzte, da sitzt man draußen und trinkt Espresso.

Aber weil das eben so ist, stand an der Rechten Wienzeile seit ewigen Zeiten ein kleines Geschäftslokal leer, das Yi Cheng und Chen Jianyong durchaus geeignet erschien, zukünftig ihr kleines Imbisslokal sein zu können.

Yi Cheng stammt aus Peking und kam nach Wien, um zu studieren, Chen Jianyong ist der Sohn einer Wiener-chinesischen Gastronomenfamilie, die früher einmal am Rennweg ein Restaurant führte, in das auch chinesische Diplomaten gerne gingen, weil hier wirklich chinesisch gekocht wurde, es Hühnerfüße und Kutteln gab.

Am Anfang der Idee standen „Jianbing“, verrät Yi Cheng, das sind eine Art Crêpe aus Mungbohnenmehl und Ei, eigentlich typischer Bestandteil des Pekinger Frühstücks, mittlerweile als Zwischenmahlzeit aber extrem populär und während ihrer Zeit in Österreich jedenfalls Ziel ihrer Sehnsucht geworden, so Cheng, „wenn ich nach China geflogen bin, hab ich meinen Verwandten immer gesagt, sie sollen Jianbing mitnehmen, wenn sie mich am Flughafen abholen“.

Seit zwei Wochen machen sie die chinesischen Palatschinken jetzt selbst, gegen die strenge Empfehlung der chinesischen Verwandten, die sich sicher sind, dass Europäer so was niemals essen würden. Und zwar in ihrem kleinen, hübschen Imbiss namens „Monsieur Yong“, der sich übrigens nicht auf die Berlin-Mitte-Lokal-Ikone der frühen Nullerjahre „Monsieur Vuong“ bezieht, sondern eine französisch-chinesische Ahnung der chinesischen Crêpe Jianbing vermitteln soll.

In der vegetarischen Variante mit einem braunen Knuspergebäck, Frühlingszwiebeln, Gurke und Koriander versehen (€ 3,80) oder mit Hühnerragout gefüllt (€ 4,–). Nicht schlecht, eine wirklich üppige Portion, überraschend mild, zum Frühstück salze man in China sparsam, erklärt Chen Jianyong. Die selbst gebackenen, weißen Germteigbrötchen für die Guabao sind überhaupt nicht gesalzen, da müssen Hühnerragout oder geschmortes Schweinefleisch für die Würze sorgen, was sie auch gut schaffen (€ 4,–).

Und dann gibt’s noch Hashimaki, eine Art Miniversion des japanischen Bauchfüll-Snacks Okonomiyaki, die mit Kraut um Essstäbchen herum gewickelt und so gebraten wird. Das hätten sie von ihrer Ess-Reise durch Japan mitgebracht, so Yi Cheng, das sei dort absolut populäres Event- und Festivalessen. Und sieht außerdem toll aus und schmeckt irgendwie schräg (€ 3,50). Ah ja, und Tee-Ei gibt’s auch. Chinesisch satt werden.

Resümee:

Neues, handgefertigtes Fastfood aus China und Japan, das zwar unter Dach verabreicht wird, aber trotzdem ein bisschen Streetfood ist.

Monsieur Yong
6., Rechte Wienzeile 9a
Mo–Fr 11–20, Sa 11–18 Uhr
www.facebook.com/monsieuryong


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