Stadtrand

Sitzen wir nicht alle am selben Tisch?

Birgit Wittstock ist in Zeiten des digitalen Autismus der Kommunikation begegnet

Stadtleben | aus FALTER 12/15 vom 18.03.2015

Der Wiener und der Fremde, das geht im Allgemeinen schwer zusammen. Und als fremd gilt grundsätzlich schon jemand, der von außerhalb der eigenen vier Wände kommt. Früher zählten immer als kleinster gemeinsamer Nenner: die Stiege, der Bau, das Grätzel, der Bezirk, die Stadt. Alles, was außerhalb der Stadt lag, war schon fast exotisch, wenn nicht gar fremdartig. Heute ist dieses Referenzsystem zwar offensichtlich dabei, sich aufzulösen, wir bleiben aber trotzdem in unseren Realitätsblasen. Die Follower, die Friends, die Hood.

In letzter Zeit versuchen aber einige Lokalbesitzer, die Blasen zum Platzen und die Wiener an einen Tisch zu bringen: Es eröffnen immer mehr kleine Cafés und Bistros, Frühstückslokale - oder wie immer sie sich auch bezeichnen -, die ihre Besucher dazu zwingen, an einem Tisch zu sitzen. Mehr Sitzmöglichkeiten gibt es einfach nicht. Ein Tisch. Friss, Vogel, oder stirb. Und tatsächlich: Viele Leute beginnen miteinander zu reden. Manche starren zwar trotzdem stur auf ihre Displays, aber die meisten quatschen. Und kommen wieder.


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