Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Ein Denkmal für Ernst Kirchweger vorm Hotel Sacher

Politik | HANNAH SCHIFKO | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015

Es war der 31. März vor 50 Jahren, der den 67-jährigen Ernst Kirchweger das Leben kostete. Der KZ-Überlebende protestierte damals mit zahlreichen Studenten gegen den antisemitischen Professor Taras Borodajkewycz, als ihn der Faustschlag eines Mitglieds des Rings Freiheitlicher Studenten niederstreckte. Zwei Tage später war er tot. Österreich hatte sein erstes politisches Opfer nach 1945.

Der Tod Kirchwegers war der traurige Höhepunkt der Affäre rund um den Uniprofessor Taras Borodajkewycz, der seit 1962 mit judenfeindlichen Aussagen für Kontroversen gesorgt hatte. Selbst kritische Stimmen späterer Politiker, wie des heutigen Bundespräsidenten Heinz Fischer, konnten den aus der Ukraine stammenden Borodajkewycz nicht seines Amtes entheben. Erst eine Pressekonferenz, in der sich der Professor zu seiner nationalsozialistischen Vergangenheit bekannte, löste Protest aus. Das Ende war sehr unösterreichisch: Borodajkewycz wurde zwangspensioniert.

An Kirchweger erinnerten in Wien bis jetzt nur zwei Häuser im zehnten Bezirk. Das soll sich bald ändern. Am letzten Märztag werden vor dem Hotel Sacher in der Philharmonikerstraße 4, dem Ort der Auseinandersetzung, Gedenksteine angebracht. Höchste Zeit eigentlich. F


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