Kommentar Verkehrspolitik

Innere Stadt: die Ausweitung der Begegnungszone

Falter & Meinung | BIRGIT WITTSTOCK | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015

Im Februar geschah ein kleines Wunder: Ursula Stenzel, die schwarze Bezirkschefin der Inneren Stadt, ließ verlautbaren, sie wolle die gesamte City zur Begegnungszone machen. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Stenzel noch im vergangenen Sommer die Rotenturmstraße unberührt wissen wollte. Und genau mit deren Umgestaltung wollte die grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou beginnen.

Dass mit der Begegnungszone 25 Parkplätze flöten gehen würden, regt nun freilich wieder die ansässigen Geschäftsleute auf. Da sagte auch Stenzel lieber Nein und versteifte sich auf eine "Gesamtlösung" für ihren Bezirk, um den ständigen Querelen mit diversen Bürgerinitiativen zu entgehen, die Fuzos für ihre Grätzeln fordern.

Aber kann die Begegnungszone überhaupt eine solche Gesamtlösung sein? Wirft man einen Blick in die Smart-City-Rahmenstrategie, die SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl und seine Vize Vassilakou 2011 festgelegt haben, so liest man, dass sich der motorisierte Individualverkehr in Wien bis 2030 auf 15 Prozent reduziert haben soll. Das ist ein echt ambitioniertes Ziel, das sich nur mit radikalen Maßnahmen erreichen lässt, denn kaum einer trennt sich freiwillig von seinem Auto.

Deshalb: Begegnungszonen sind gut, quasi ein Anfang, aber nicht das Universalprinzip, das sich beliebig auf ganz Wien ausdehnen lässt, um die Stadt vom Autoverkehr zu befreien. Dazu wird es vor allem Zeit und individueller, auf die jeweiligen Grätzel zugeschnittener Lösungen bedürfen: Fuzos beispielsweise oder die sogenannte "Zona limitata" nach italienischem Vorbild -also ein Fahrverbot, außer für Anrainer und Lieferfahrzeuge -sowie Wohnstraßen.


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