Mediaforschung Verführungskolumne

Müssen SUV-Fahrer tatsächlich Viagra-Pillen schlucken?

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015

Das Thema "Zu kurz gekommene, impotente Männer fahren große Autos" hat eine eigene Witzgattung begründet. Der Autohersteller Fiat hat nun aus dem Stoff eine Werbung gebastelt.

Der Plot: Ein alter Italiener will seine lüsterne Gattin begatten. Weil's aber nicht mehr so klappt mit der Ausstattung südlich des Bauchnabels, geht er kurz noch ins Badezimmer. Dort kramt er eine blaue Pille hervor, um seine Potenz zu potenzieren. Aber der greise Bock wirft die Tablette neben seinen weit geöffneten Mund, hinaus aus dem Badezimmerfenster. Irgendwie landet die Pille über Umwege im Tank eines kleinen Fiat.

Die Pointe: Durch den Viagra-Schub wird aus dem kleinen Fiat ein großer Fiat. Ein SUV. Wie reagiert nun der Besitzer (jung, fesch) darauf, der mit Zapfhahn in der Hand gerade seinen Wagen volltanken wollte? Ärgert er sich, weil der mutierte Spritfresser nun sein Geld verschlingt?

Nein, er freut sich. Denn drei Frauen kommen zufällig vorbei und kommentieren sein gepimptes Auto. Die erste sagt: "Uhhh." Die zweite: "Ohhh." Die dritte zieht daraus schließlich die Conclusio: "Rrrrr."

Ist das einer von diesen Witzen? SUV fährt, wer Viagra braucht?

Nein. Dieses Bild wollte Fiat vermeiden. Deshalb sind die Rollen klar verteilt - der alte Mann ist impotent, der Fiat-Fahrer hingegen jung und voll im Saft. Der Spot suggeriert: Wer einen SUV fährt, beeindruckt Frauen.

Richtig aber ist: Wer einen kleinen Fiat fährt, spart sich Geld beim Tanken. Und hat dann noch Geld für Blumen.


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