Mit blauen Flecken

Rot und Schwarz haben bei den Gemeinderatswahlen verloren, aber weniger als gedacht. Warum haben die Steirer so entschieden, und wie ist nun die Stimmung?

Steiermark | WAHLTAGSANALYSE: DONJA NOORMOFIDI GERLINDE PÖLSLER | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015


Foto: J. J. Kucek

Foto: J. J. Kucek

Die Rechten haben schon am frühen Nachmittag gut lachen. Im Büro der Freiheitlichen im Grazer Landhaus trudeln bereits die ersten Ergebnisse ein, Funktionäre schicken SMS aus den Gemeinden. Aus Feldkirchen im Grazer Speckgürtel meldet ein blauer Kamerad via Handy „Juhuuuuu“, die FP hat dort 29 Prozent geschafft. Dann die ersten Ergebnisse aus dem roten Kernland in der Obersteiermark: Bruck an der Mur – die SPÖ rumpelt von 58 auf rund 44 Prozent und verliert die absolute Mehrheit, die FP gewinnt elf Prozentpunkte. „Das hab ich vorhergesehen, die roten Städte rinnen aus“, frohlockt Parteiobmann Gerhard Kurzmann. „Blau frisst Rot“, freut sich auch Mario Kunasek, der für die Freiheitlichen als Spitzenkandidat in die Landtagswahl am 31. Mai zieht. Die FP hat in diesem Wahlkampf vor allem drei Schlagwörter getrommelt: „Gegen Rekordschuldenstand, Zwangsfusionen, Massenzuwanderung.“

Die selbsternannten „Reformpartner“ mussten bei der Gemeinderatswahl Federn lassen, wenn sie auch mit blauen Flecken davonkamen: Am Ende des Wahltags hatte die SPÖ 5,4 Prozentpunkte verloren, die ÖVP 4,1. Grüne und KPÖ legten leicht zu. Auch wenn Gemeinderatswahlen natürlich stark lokal gefärbt sind und manche Bürgerliste ohnehin den Großparteien zuzurechnen ist, lassen sich doch Trends ablesen: Das Problem der Sozialdemokraten in ihren Hochburgen verfestigt sich – ihre Wähler laufen dort zu den Blauen über, und das seit Jahren. Die Freiheitlichen haben auch diesmal dazugewonnen, von 6,6 auf 13,9 Prozent. Und die umstrittenen Gemeindefusionen – aus 539 steirischen Gemeinden wurden 287 – spielten für den Wahlausgang zwar eine Rolle, aber keine so große wie gedacht. Doch was waren die Motive der Steirerinnen und Steirer?


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