Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Mentoring: Wenn Margit Fischer auf junge Muslimas trifft

Politik | BARBARA TÓTH | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015

Die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ) ist ein quirliger Verein, geführt von einer energischen Frauenriege, die sich auch schon mit dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) angelegt hat. Sie fordert seit Monaten dessen Rücktritt, weil er das neue Islamgesetz schlecht verhandelt habe.

Die von Dudu Kücükgöl vertretene, immerhin 30.000 Mitglieder starke Jugendorganisation macht aber auch klassische Jugendarbeit, etwa Mentoring für junge muslimische Frauen. Im Rahmen dieses Projektes traf eine Runde von Mentees vergangenen Mittwoch im Bruno-Kreisky-Forum für internationalen Dialog auf Margit Fischer, Frau von Bundespräsident Heinz Fischer. Margit Fischer tritt in der Öffentlichkeit gewöhnlich zurückhaltend auf, hat aber mit dem Österreichischen Frauenrat und dem Science-Center-Netzwerk zwei Initiativen, in denen sie sich seit Jahren aktiv für die Themen Emanzipation, Bildung und Wissenschaft einsetzt.

Wie funktioniert Emanzipation in muslimisch geprägten Familien? Welche Rolle spielen religiöse Vorschriften? Fischer ist keine Politikerin, deshalb gibt sie auch nie politische Stellungnahmen ab. Aber sie erzählte den jungen Frauen sehr ausführlich von ihrer Mutter, Tochter eines Eisenbahners, die sehr früh in der -damals verbotenen -Sozialistischen Jugend aktiv wurde. "Damals trugen Frauen Röcke über die Knie und lange Haare. Sie schnitt sie sich kurz und zog Hosen an, um Rad fahren und sporteln zu können."

Margit Fischers Mutter gab diesen Willen zur Emanzipation an ihre Tochter weiter. Das Zusammensein in sozialistischen Jugendorganisationen prägte somit ihre Kindheit. "Gemeinsame Aktivitäten, der Wunsch, etwas zu verändern, all das kenne ich sehr gut", berichtete sie. "Aber das kritische Hinterfragen ist mindestens genauso wichtig." Ob sie einen Tipp habe, wie man sich besser vernetzte? "Einfach offen aufeinander zugehen", lautete Margit Fischers sehr weise Antwort. F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige