Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015

Pop

Dagobert: Afrika

Der inbrünstige Vortrag des Schweizer Chansonniers irritiert viele. Der kann das doch nicht ernst meinen? Doch! Auf seinem zweiten Album "Afrika" (Sehnsuchtsort!) wühlt er noch hemmungsloser in emotionalen Wunden. Dagobert verzweifelt an einer Angebeteten, die nie ans Telefon geht ("Rede mit mir"), singt darüber, dass die Liebe nicht zu lange warten darf ("Zehn Jahre") und findet in "Das traurige Ende eines schönen Tages" Worte für Vergänglichkeit. Apropos: Udo Jürgens ist tot, Dagobert lebt. (Buback) SF

Jazz

Vijay Iyer Trio: Break Stuff

Nebenerwerbs-Harvard-Professor Iyer betreibt sein Trio seit über zehn Jahren. Zwei aufeinanderfolgende Stücke umreißen die enorme Bandbreite des Pianisten und seiner scharfen Rhythmusachse: "Hood" wirft sich in die minimalen Gefilde des gleichnamigen Detroiter Techno-Pioniers, "Work" ist eine unsklavische Monk-Interpretation. Afroamerikanische Avantgarden sind nur ein Part des vielseitigen Ausdrucksreservoirs, in dem Abstraktion, Präzision und die titelgebenden Breaks spielentscheidend sind. (ECM) DMK

Lokal

Teglich Alois: Schmutzwäsche

Vom halblustigen Namen und dem hässlichen Cover sollte man sich nicht abschrecken lassen, liefert das burgenländisch-steirische Sextett Teglich Alois mit seinem Debüt doch ein überzeugendes Plädoyer für einen österreichischen Pop der Regionen. Zu hören ist Dialektmusik ohne Austropop-Klischees, die sich gleichermaßen zum Tanz wie zum Ins-Frühschoppen-Bier-Weinen eignet. Klingt beinahe, als wäre Tom Waits mitsamt einer Trompete und einer Flasche Schnaps bei 5/8erl in Ehr'n eingestiegen. (Hoanzl) GS


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