Tiere

ALB-Träume

Falter & Meinung | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015


Sie glauben gar nicht, welche profunde Wissenschaft die Käferei ist. Hundertundzwanzig Bockkäfer bloß im Brieselang. Das will gemacht sein.“ „Gewiss. Aber ich habe mir sagen lassen, das die Dinge doch Hand in Hand gehen und dass die ‚Käferei‘, wie Sie sagen, ohne ‚Kräuterei‘ gar nicht recht bestehen kann.“ So ökologisch beschrieb Theodor Fontane Ende des 19. Jahrhunderts in seinem fünfbändigen Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ Zusammenhänge, die in Zeiten der Globalisierung eine ganz andere Bedeutung bekommen.

In der weltweiten Datenbank zu den 1000 gefährlichsten einwandernden Arten wird der Asiatische Laubholzbockkäfer bereits auf Platz sieben angeführt. In seinem Herkunftsland China war diese Käferart lange als Schädling unbedeutend. Erst als man in den 1980er-Jahren großflächig Holzplantagen mit importierten Pappeln anlegte, fanden die Käferlarven ausreichend Nahrung und konnten sich massenhaft entwickeln. Dann ging es schnell: 1996 kamen die ersten Bockkäfer im Holz von Lattenkisten und in Zierpflanzen in die USA, und bereits 2001 wurden sie in Braunau gefunden. Während heimische Bockkäfer nur bestimmte, geschwächte Bäume befallen, besiedelt der bereits zum Akronym erhobene ALB nicht nur alle, sondern auch ganz vitale Laubbaumarten. Die Bekämpfungsmaßnahmen sind radikal. Nicht nur der befallene Baum, sondern auch alle anderen Gehölze im weiteren Umfeld müssen gefällt, gehäckselt und verbrannt werden. Waldbesitzer in den USA errechnen Schäden in der Höhe von mehreren 100 Milliarden Dollar. Das wirkt etwas hysterisch. Die Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft schreibt in einer aktuellen Publikation, dass „über das Schadenpotenzial des ALB in natürlichen Wäldern bisher wenig bekannt ist“ und „sowohl in China als auch in Europa bisher ein Übergreifen des Befalls auf natürliche Waldgebiete weitgehend ausgeblieben ist“.


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